Barossa Valley – Hier kommen Australiens beste Weine her

Australien ist für Weinliebhaber ein Traum. Die besten Weine Australiens werden im Südaustralischen Barossa Valley angebaut.

Geschichte des Barossa Valley

dsc08272 Südaustralien wurde im 19. Jahrhundert hauptsächlich von Engländern und Deutschen besiedelt. Der aus Hessen stammende Mineraloge Johannes Menge (1788-1852), arbeitete als ehrenamtlicher Professor der Mineralogie in Lübeck und zog nach dem Tod seiner Frau nach London. Dort bekam er das Angebot für die South Australia Company auf Kangaroo Island nach Rohstoffen zu suchen. Nach nur einem Jahr verließ er die Insel und bereiste Südaustralien auf eigene Faust um nach Rohstoffen zu suchen. So wird er als „Vater der Australischen Mineralogie“ weltweit bekannt. Als er entlang der Barossa Bergkette unterwegs war, erkannte er die einmalige Lage und den guten Boden des Tales und lies sich hier ab 1839 einige Jahre nieder. Die Landschaft erinnerte Menge an den weinreichen Kaiserstuhl in Süddeutschland. So nannte er den Berg „Patpoori“, wie ihn die Aboriginal noch heute nennen, einfach Kaiserstuhl.
Zur selben Zeit wurden in Deutschland Lutheraner verfolgt, die sich nicht der Staatskirche des Preußenkönig Friedrich Wilhelm III anschließen wollten. Ab 1840 flüchten viele auf der Suche nach (religiöser) Freiheit aus ihrer Heimat mit dem Schiff nach Australien. Sie kamen als Bauern aus den preußischen Provinzen Brandenburg, Schlesien und Posen; weitere kamen aus Mecklenburg, Holstein, Hannover, Sachsen so wie Hessen und Baden-Württemberg und gründeten hier die ersten Dörfer. Nach Ihnen wurde das Tal zuerst „Neu-Schlesien“ genannt. Schon bald aber wurde das Tal in „Barossa Valley“ umbenannt.
dsc08281 Die meisten Dörfer bekamen biblische Namen wie Gnadenfrei, Hoffnungsthal, Bethel oder Ebenezer. Es entwickelte sich die Sprache „Barossadeutsch“.
Ab etwa 1847 wurde im Barossa Valley angefangen Wein anzubauen. Zuerst nur als kirchlicher Messwein, später auch als Getränk für Jedermann. Johann Grampp aus Aichig bei Kulmbach pflanzte eine der ersten Reben am Jacob’s Creek und begründete damit eine der heute erfolgreichsten Weingüter Australiens. Auch der Deutsche Joseph Seppelt begann im heutigen Seppeltsfield Wein anzubauen.
Andere Bauern folgten und bauten ebenfalls Wein an. Ab 1890 wurde er nach England exportiert. Ab diesem Zeitpunkt beginnt der Siegeszug des Barossa Valley als eines der besten Weinbauregionen der Welt.
Während des ersten Weltkrieges wurden viele Dörfer umbenannt. So wurde beispielsweise aus Gnadenfrei nun „Marannanga“, aus Hahndorf wurde „Ambleside“, oder aus Rosenthal eben „Rosedale“. Auch der Kaiserstuhl wurde in „Mount Kitchener“ umbenannt. Ab den 1960er Jahren wurden viele Ortschaften wieder zu ihrem ursprünglichen Namen umbenannt. Mit dem ersten Weltkrieg brach auch die Besiedlung aus Deutschland ab.

Fun Fact:
Die ersten Deutschen Immigranten hatten den Lila Wegerich-Natternkopf (Ochsenmaul) mitgebracht um sich im trockenen Australien wie zu Hause zu fühlen. Das Unkraut ist heute zur Plage in Australien geworden.

Das Barossa Valley heute

dsc08207 Nur 50 Kilometer nördlich von Adelaide beginnt das Barossa Valley. Heute wird hier auf einer Rebfläche von mehr als 10.000 Hektar Wein angebaut. Vor allem für ihren Shiraz ist die Region weltbekannt. Über 150 Weingüter und mehr als 70 Kellereien haben sich im Barossa Valley angesiedelt.
Von Adelaide aus gibt es verschiedene organisierte Ein- oder Mehrtagestouren. Wer keine Zeit hat, aber trotzdem etwas sehen möchte, ist damit gut beraten. Viel schöner ist es aber selbst durch das Barossa Valley zu fahren. Nahezu jedes Weingut bietet Hausverkauf oder auch Weinproben an. Zudem ist es wunderschön, selbst im Regen, durch die Region mit ihren Weinreben und Olivenbäumen zu fahren.

Erster Anlaufpunkt für Reisende aus der ganzen Welt ist der kleine Ort „Hahndorf“.
20170417_121909 Hahndorf liegt zwar in den nur 30 Kilometern von Adelaide entfernten Adelaide Hills, giehört aber zur Geschichte des Barossa Valley dazu. Warum auch immer hat Hahndorf sich in den Jahren als Touristenhochburg entwickelt. Hier trifft man vor allem Touristen aus Australien, Asien und dem Rest der Welt. Warum? Hahndorf wurde 1838 von 187 Deutschen Immigranten gegründet. Sie segelten in 6 Monaten von Altona mit dem Dreimaster „Zebra“ nach Port Adelade.
Als Dank für die geglückte Schiffsüberfahrt wurde das Ort nach dem Kapitän , dem Sylter Dirk Meinerts Hahn, benannt.
Logisch, dass ich mir Hahndorf anschauen wollte. Und es hat sich gelohnt. Es ist ein wirklich sonderbarer Ort. Mitten in Australien und doch kommst Du Dir hier ziemlich Deutsch vor. Tatsächlich stehen entlang der Hauptstraße Fachwerkhäuser.
dsc08139 Sie sind zwar typisch Australisch nur einstöckig, aber von der Fachwerkart und den Fenstern erinnern sie klar an Deutsche Altstädte. Entlang der Straßenrändern stehen Rotbuchen. Lustig, wenn man die letzten Wochen nur Australische Bäume und Sträucher gewohnt war zu sehen. Tja und dann ist man irgendwie wie in einem Freizeitpark mit unwirklichen Kulissen. Die meisten Läden sind keine typisch Australische Läden, sondern verkaufen zum Beispiel Deutsche Souvenirs. Da bekommt man vom Schwarzwälder Bollenhut, der Kuckucksuhr über Holzschnitzkunst aus dem Erzgebirge oder Bayerische Dirndl auch Schweizer Kuhglocken oder Österreichischen Almdudler. Aus Australische Sicht ist das ja alles irgendwie Deutsch(sprachig).
20170417_121014 Daneben gibt es einen Birkenstock-Laden, einen Deutschen Metzger und Bäcker, diverse Deutsche Biergärten und Restaurants und ein Lebensmittelladen mit ausschließlich Deutscher Ware. Da gibt es unter anderem die Maggi Fertigsoße in original Deutscher Verkaufsverpackung für die Kleinigkeit von 4 Australischen Dollar. Scheinbar wird aber hier trotzdem gerne eingekauft. Wer sich einen Gefallen machen möchte, der übernachtet im wirklich schönen „Discovery Parks – Barossa Valley“ Campingplatz und genießt das Örtchen in den Abend- und Morgenstunden. Hier habe ich dann Abends auch im „German Arms“ (übersetzt: Deutsches Wappen) ein echtes Jägerschnitzel mit viel Soße gegessen und mir für das Frühstück bei einem Bäcker eine Laugenbrezel (2$) gegönnt.
Ich bin ein wenig ab der Touristenpfade gegangen und kam in Hahndorf gleich mit einer alten Dame ins Gespräch. Sie war über 90 und freute sich mal wieder ein paar Brocken Deutsch zu sprechen. Sie erzählte mir wie ihre Familie nach Australien kam, wie sie hier aufwuchs und ihren Mann fand, wie der Tourismus hier Einzug erhielt und wie ihr man vor zwei Jahren starb. Dabei sprach sie manchmal Englisch und manchmal das Barossadeutsch. Dieses Deutsch ist wie eine Zeitblase und konservierte viele Worte, die es so in unserem Sprachgebrauch gar nicht mehr gibt. So erzählte sie mir von ihrem ersten Automobil und einem Flug mit dem Luftschiff (meinte aber Flugzeug). Irgendwie war ich zur Richtigen zeit am Richtigen Ort und die rüstige Dame sprudelte nur so und war einfach froh mir das alles in ihrer Sprache zu erzählen. Nach diesem Gespräch bin ich mit einem meiner glücklichsten Momente auf dieser Reise zurück zu meinem Camper gegangen.
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Der besondere Tipp:
Im Barossa Valley ruhig einmal einen Friedhof besuchen. In Australien liegen diese meist vor den Toren der Stadt. Das Besondere in Australien ist, dass hier die Gräber nur einmal vergeben werden und man so auch ganz alte Gräber sehen kann. Vor allem im Barossa Valley ist das für uns Deutsche interessant. Ich fand es spannend mir die alten Grabmale anzuschauen und die teils uralten Deutschen Vornamen und auch Nachnamen zu lesen.

Fährt man von Hahndorf weiter über das Eden Valley kommt man in Birdwood (Blumberg) vorbei. Hier gibt es das National Motor Museum zu besichtigen. Ein paar Kilometer weiter, kurz vor Angaston, liegt der Kaiserstuhl. Hier im Naturschutzpark gibt es zwei schöne Wanderrouten zu gehen. Angaston ist für seine Rosen bekannt. Im Barossa Old Rose Repository wurden Rosen aus dem ganzen Barossa Valley gesammelt. Hier wachsen Rosenarten, die noch die ersten Siedler mitbrachten und deren Namen bis heute nicht bekannt sind. Wieder andere Rosenarten konnten heutzutage zugeordnet werden. Ein Spaziergang durch diesen Garten bietet sich wunderbar als kleine Autopause an. In Angaston ist auch „Schulz Butchers“ zuhause. Hier gibt es Australiens besten Schinken. In Nuriootpa empfiehlt sich die Kaesler Wines Kellerei.
Wer rund ums Barossa Valley einen ruhigen und preiswerten Campingplatz sucht, sollte nach Kapunda fahren. Hier gibt es einen kleinen, aber netten, Campingplatz. Von hier aus kann man am nächsten morgen wunderbar das Barossa Valley weiter erkunden.
dsc08213 Bethany kann man kurz besuchen. Hier scheint teilweise die Zeit echt stehen geblieben zu sein. Hinter manchen Häusern vermutet man gleich einen der ersten Siedler zu treffen. Tanunda ist eine der größeren Ortschaften in der Gegend. Hier kann man unter anderem im Chateau Tanunda, oder bei Rolf Binder – Veritas Winery guten Wein einkaufen. Ansonsten gibt es hier einige nette kleine Läden, die zum stöbern einladen.
Ganz am Ende des Barossa Valley liegt Lyndoch. Hier kann man unter anderem die bekannten Weinkeller von Schild Estate und Kellermeister finden, oder sich typisch Deutsch bei „Lyndoch Bakery & Restaurant“ verköstigen. Aber Vorsicht: In der Weinstube läuft als Hintergrundmusik Lieder wie „Muss i denn zum Städele hinaus“.
Zum Abschluss einer Barossa Valley – Tour sollte dann noch der Abstecher nach Williamstown gehören. Hier befindet sich der „Barossa Dam“. Die 36 Meter hohe Talsperre war bei ihrer Eröffnung 1903 die höchste Bogenstaumauer Australiens. Besser bekannt ist sie heutzutage unter dem Namen „Whispering Wall“. In der Tat kann man sich von einem Ende zum anderen Ende der Staumauer im Flüsterton unterhalten. Möglich macht das die gekrümmte Staumauer, die den Schall perfekt transportiert. Ein Spaß für klein und Groß.
dsc08295 Wer wandern möchte, kann das auf dem Butcher, Baker oder Winemaker Trail machen. Unterwegs können frisch gebackenes Brot, Rauchfleisch und weitere regionale Produkte verkostet werden. Dann gibt es noch den Barossa Cheese and Wine Trail der mit handgemachten Käse lockt.
Generell wird in Südaustralien die Regionale Küche sehr geliebt und gefördert. „Eat Local SA“ ist eine staatliche Initiative zur Förderung lokaler Erzeuger und lokaler Gastronomie. Viele Bars, Bistros und Restaurants werben mit diesem Label. Als Reisender kann man sich dort immer sicher sein auch authentisches Essen aus der Region serviert zu bekommen.
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Der besondere Höhepunkt:
Alle zwei Jahre findet das „Barossa Vintage Festival“ statt. Das Fest gibt es seit 1947 und geht über mehrere Tage. Es wird das Ende der Weinlese im Tal gefeiert. Mittlerweile hat sich das Fest zu einem echten Event in Australien entwickelt und am Festival-Wochenende ist das ganze Barossa Valley voll mit Australischen Touristen. Überall wird gefeiert und fast in jedem Ort finden kleinere Feiern, Vorführungen oder Führungen statt. Die Eröffnung findet auf dem Yalumba Weingut in Angaston statt. Im Park des Weingutes wird auf einem Markt lokale Erzeugnisse verkauft.
dsc08238 Vom leckeren Eis über frische süße Stückchen bis zum leckeren Brötchen mit warmen Schinken vom Wagyu Rind gibt es alles was der Gaumen begehrt. Auf einer anderen Wiese spielen Bands Musik während man sich bei einem Glas Wein unterhalten kann. Ich hatte Glück früh am Eröffnungstag dort zu sein als außer mir noch keine Touristen anwesend waren. Morgens feiern die Einheimischen dort ganz gesellig ihr Fest. Ab dem Nachmittag kommen dann die Touristen. Die Atmosphäre war wunderbar. Auf dem kleinen Marktplatz unterhielten sich die Menschen freudig. Auf der Wiese saßen Familien auf ihren Picknick Decken, tranken Wein und ließen ihre Kinder herum springen. Es war einfach eine persönliche und ausgelassene Stimmung an diesem Morgen. Für mich war dieses so miterleben zu dürfen ein wahrer Glücksfall den ich sehr genoss.
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Weiter ging es dann, der Küste entlang nach Port Augusta.

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