Cabrio Roadtrip durch die Schweiz

Die Schweiz ist ein Mekka für leidenschaftliche Cabriofahrer wie mich. Also war es im Sommer mal wieder an der Zeit einen Roadtrip durch die Schweiz zu machen.

Vorbereitung

Man mag vielleicht glauben die Schweiz sei klein, aber dennoch sollte man auf manches bei der Vorbereitung achten.
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  • Roadtrip zuhause zumindest in den groben Grundzügen vorplanen.
  • Ein Roadtrip ist nichts fürs Navis. Das kann man getrost zuhause lassen. Viel besser sind klassische Straßenkarten, oder eine genaue Routenplanung z.B. auf Google Maps um damit nachher navigieren zu können.
  • Tagesstrecken nicht zu groß wählen. 200 bis 300 km pro Tag reichen aus. Schließlich möchte man ja die Landschaft genießen und einige Pässe fahren.
  • Fahrzeug vor dem Roadtrip in der Werkstatt durchchecken  lassen (vor allem Reifen, Bremsen, Kupplung)
  • Ausweis / Reisepass (zwar Mitglied des Schengen-Raums, aber außerhalb der EU)
  • Vignette für Schweizer Autobahnen (Automobilclubs, Tankstellen im Grenzgebiet oder am Zoll).
  • Geschwindigkeiten unbedingt einhalten!
    50 km/h – Innerhalb von Ortschaften
    80 km/h – Außerhalb von Ortschaften
    120 km/h – Autobahn
    Schon ab 1 km/h Überschreitung gehen die Geldbußen bei 40 CHF los.
  • Auch im Hochsommer eine Jacke oder Pulli mitnehmen! Auf den Pässen oder Gipfeln kann es schnell mal um einige Grad kälter sein als man gerne hätte.
  • Sonnenbrille, Kopfbedeckung und Sonnencreme (fürs Cabrio sowie auf Seen oder Gipfeln)
  • Schweizer Franken (CHF)
    Man muß Schweizer Franken nicht unbedingt schon in Deutschland besorgen. Im Grenzgebiet wird meist auch der Euro akzeptiert. E-cash (auch per NFC) ist gut verbreitet. Geldautomaten gibt es nahezu überall.

Unterkunft

Zeltplätze hat die Schweiz zwar, aber die meisten sind eine einfache grüne Wiese (nicht immer) mit Sanitären Anlagen und nicht mehr. Ansonsten gibt es Pensionen, Hotels und Jugendherbergen. Die Preise sind ganzjährig auf hohem Niveau. Die meisten Unterkünfte sind auf Tagesgäste wie Radfahrer, Biker oder eben Cabriofahrer vorbereitet.
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Verpflegung

Lebensmittel in der Schweiz sind relativ teuer. Vor allem Fleisch und Wurstwaren sind im Verhältnis zu unseren Preisen ziemlich teuer. Die Schweizer legen hohen Wert auf Qualität und Erzeugnisse aus dem Inland. Daher sind die Preise meist gerechtfertigt und jeden Rappen (Euro) wert. Auf einem Roadtrip kann man aber zum Beispiel Mineralwasser für die Fahrt schon in Deutschland einkaufen.  Auf Deutscher Seite der Grenze entlang gibt es überall Supermärkte in Hülle und Fülle.
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Der Roadtrip

Über 1000 Kilometer, unendliche Kreisverkehre und mindestens 6 Pässe!
Der Roadtrip beginnt und endet an der Schweizer Grenze. Je nach Anfahrt bis zur Schweizer Grenze sollte man noch eine Nacht vor der Grenze einplanen. Das Selbe gilt bei der Abreise. Der Roadtrip verlängert sich dann entsprechend. Der Roadtrip beginnt in der hüglig, flachen Nordschweiz und im Verlauf gibt es immer mehr Berge, immer enger Täler und vor allem immer mehr Kurven und Pässe! Der hier beschriebene Roadtrip ist fürs Cabriofeeling optimiert. D.h. hier wurde mehr auf die tollen Strecken als auf viel Zeit für Städte etc. geschaut. Die Übernachtungspunkte kann man ja aber flexibel schieben und sich so seine Tour zusammenstellen.
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Anreise

Die Anreise in die Schweiz aus Deutschland geht über zwei Autobahnen. Zur Anreise nehmen wir die A81 Richtung Singen / Schaffhausen. Hier bietet sich noch auf Deutscher Seite, oder in Schaffhausen (403 m ü. M.)  eine erste Nacht an. So kann man noch den größten Wasserfall Europas, den Rheinfall, besuchen.

Roadtrip Tag 1 (300 km, ~ 5 Stunden)

Am ersten Tag des eigentlichen Roadtrips fahren wir über die Autobahn bis Landquart (563 m ü. M.) Hier fährt auch die Rhätische Bahn auf der seit 2008 ausgezeichneten UNESCO Welterbestrecke. Besonders die Kehrviadukte sind für Cabriofahrer ein besonderer Hingucker. Weiter geht es über Chur und Churwalden über Filisur (1032 m ü. M.) über den ersten Pass. Den Albulapass (2312 m ü. M.) Den Pass hinter uns gelassen fahren wir nach St. Moritz (1822 m ü. M.). Hier empfiehlt sich das Auto im Parkhaus am St. Moritzersee abzustellen. Vom Parkhaus kann man futuristisch entweder mit Rolltreppen oder mit einem Lift in das Ort hinauf fahren. Ehrlich gesagt ist St. Moritz im Sommer wenig interessant. Also kurz durchlaufen und lieber noch am See einen Abstecher im Waldhaus am See machen. Hier ist die größte Whiskybar der Welt zu bestaunen. Besser sortiert dürfte keine andere Bar auf der Welt sein.
Unser Roadtrip führt uns dann weiter auf den Berninapass (2329 m ü. M.). Von hier aus geht es hinab nach Italien. Über Pontresina erreichen wir am Ende des Tages Tirano (441 m ü. M.). Hier übernachten wir.
Besonderheiten Tirano: Tirano hat zwei Bahnhöfe. Einen Schweizer und einen Italienischen Bahnhof. Dazwischen eine kleine Piaza. Drum herum gibt es viele Cafés und Restaurants.
Spezialitäten Tirano: Roggenbrot, Pizzoccheri
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Roadtrip Tag 2 (180 km, 3,5 Stunden)

Von Tirano führt uns der heutige Abschnitt unseres Roadtripps vorbei am Comer- und Luganer See nach Bellinzona. Hier sollte man unbedingt halten und die historische Stadt mit ihrer Wehranlage und den drei Burgen (UNESCO Weltkulturerbe) anschauen. Ein wirklich schönes und ruhiges Städtchen mit sehr viel Flair. Zur Erfrischung sollte man sich hier eine „GAZOSA La Fiorenzana“ bestellen. Das ist eine alkoholfreie und vegane traditionelle Limonade auf die man in Bellinzona sehr stolz ist. Die letzten Kilometer führen uns dann noch direkt an den Lago Maggiore, nach Ascona (199 m ü. M.).
dsc03382 Besonderheiten in Ascona: Hier lässt es sich an der Seepromenade auf einem der Bänkchen zwischen Palmen mit Blick auf den See entspannen. Herrlich!
Spezialitäten in Ascona: Abendessen in einem echten Grotto und lokale Spezialitäten wie die Polenta, frischen Fisch, Alpkäse, Kaninchen oder auch Frischkäse (formaggini) genießen.
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Roadtrip Tag 3 (110 km, 2 Stunden)

Ascona möchte man am liebsten gar nicht mehr verlassen. Zumindest ging mir das so. Trotzdem geht unser Roadtrip weiter. Es geht wieder aufwärts nach Airolo (1175 m ü. M.). Hier muß man etwas aufpassen um nicht auf den neuen St. Gotthard Pass zu fahren. Wir wollen ja die Kurven genießen und fahren deshalb den Alten St. Gotthard Pass, die Tremola (2106 m ü. M.). Hier ist eine vorsichtige Fahrweise extrem wichtig. Vor allem bei Nässe! Denn die Pflastersteine können extrem rutschig werden. Bei den Kurven und den steilen Abhängen kann das ziemlich ungesund werden. Auf der Passhöhe sollte man sich etwas Zeit nehmen und die Natur genießen. Das Museum zur Festung Gotthard ist absolut sehenswert. Beim hoch- oder runter fahren kann hier einem nicht nur der gelbe Postbus, sondern auch eine historische Postkutsche entgegen kommen. Nach der Abfahrt haben wir schon unser Tagesziel erreicht. Andermatt (1447 m ü. M.) ist ein kleines Dorf das verkehrsgünstig an einem Verkehrsknoten liegt.
dsc03482 Besonderheiten Andermatt: Hier gibt es zwei Nachmittagsvarianten:
1. Entweder man fährt über den Oberalppass (2044 m ü. M.) nach Sedrun und isst dort zu Abend (23 km, 45 Minuten), oder
2. Man macht noch eine kleine 3 Pässe extra Tour. Von Andermatt über den Furkapass und Nufenen Pass zurück nach Andermatt über den neuen St. Gotthard Pass. (110km, 1,5 Stunden)
Spezialitäten in Andermatt, Sedrun und Umgebung: Capuns (Graubündner Variante der Maultasche) mit diversen Füllungen.

Acht geben !
So schön die Pässe auch sind, bitte unbedingt achtsam unterwegs sein!
Motorrad- und Radfahrer, Busse etc. brauchen gerade bei Haarnadelkurven teils die ganze Straßenbreite

Roadtrip Tag 4 (315 km, 3,5 Stunden)

Von Andermatt fahren wir heute über den Furkapass 2429 m ü. M. Hier bietet sich ein Stop am Rhonegletscher an. Für einen kleinen Obolus kann man in eine Eisgrotte am Rande des Gletschers besuchen. Ziemlich beeindruckend mitten in den Eismassen zu stehen. Erschreckend aber, wenn man sieht wie der Gletscher kontinuierlich abschmilzt. Auf dem Parkplatz gibt’s übrigens fast immer Murmeltiere zu sehen.
dsc03680 1964 wurde auf dem Furkapass aus die spektakuläre Verfolgungsfahrt des 007-Film „Goldfinger“ gedreht.
dsc03644 In Visp können wir uns entscheiden direkt weiter an den Genfer See zu fahren, oder einen Abstecher nach Zermatt machen um einen Blick auf das Matterhorn zu werfen. Tipp: Dieser Abstecher zieht sich (Visp –Täsch 30 km, 0,5 Stunden) und lohnt sich nur, wenn man auch auf den Gornergrat (3135 m ü. M.) möchte. Zermatt selbst ist wirklich nicht besuchens wert. Das Auto muß draußen bleiben. In Täsch muß im Matterhorn Terminal in die Pendelbahn nach Zermatt umgestiegen werden. (Parkhaus bis 4 Stunden 7.50 CHF und das Ticket Hin und Rück kostet zusätzlich 16.40 CHF). Das Ticket für die Gornergrat Bahn kostet für Zermatt – Gornergra – Zermatt pro Person 90 CHF. Ein kostspieliger Spaß der sich auch nur lohnt, wenn der Gornergrat nicht im Nebel steckt. Sonst ist man oben und sieht weder Gletscher noch Matterhorn.
dsc03800 Weiter geht’s dann zum Genfer See. Vorbei an Montreux nach Lausanne ‎(495 m ü. M.). Hier sind die Übernachtungspreise etwas preiswerter als in Montreux. Allerdings ist Lausanne auch nicht so Mondän, sondern eher einfach nur eine Stadt am See.
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Roadtrip Tag 5 (230 km, 3 Stunden)

Nach Lausanne ist der Jaun Pass (1509 m ü. M.) der letzte Pass den wir abfahren. Nun wird die Landschaft vorbei am Thunersee und Brienzersee zunehmend flacher. Nach Interlaken können wir noch je nach Zeit und Lust und Laune zwischen den drei folgenden Highlights entscheiden:
1. Meiringen: Die Aareschlucht (595 m ü. M.) ist wirklich ein geniales Erlebnis der Naturgewalt Wasser!
2. Meiringen: Die Gelmerbahn (1849 m ü. M.) ist mit einer Steigung von maximal 106 Prozent die steilste Standseilbahn Europas und nichts für schwache Nerven.
dsc03909 3. Stans: Zuerst geht’s ein Stück mit einer historischen Zahnradbahn hinauf und dann mit der weltweit ersten Cabrio Seilbahn weiter auf das Stanserhorn (1898 m ü. M.). Die Fahrt auf dem Cabriodeck ist einmalig und ein echtes Erlebnis!
dsc03959 Im Anschluß geht’s nach diesen drei Erlebnisreichen Varianten weiter nach Luzern (436 m ü. M.) an den Vierwaldstädtersee. Luzern ist eine tolle Stadt die man auf sich wirken lassen muß. Natürlich gehört ein Besuch der Kappelbrücke mit auf das Programm. Wer in Luzern länger bleiben möchte sollte unbedingt eine Schifffahrt und eine Seilbahnfahrt auf den Pilatus machen.
Besonderheiten in Luzern: In Luzern wimmelt es nur so von Asiatischen Touristengruppen. Wer mitten rein möchte, sollte unbedingt das Löwendenkmal besuchen. „Der sterbende Löwe von Luzern“ ist eines der berühmtesten Denkmäler der Welt. Ich finde man muß das mal gesehen haben.
Spezialitäten in Luzern: Birnenweggen, Luzerner Chügelipastete (Fleischpastete)
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Heimreise

Auch die schönste Reise hat einmal ein Ende. Über Sursee, Sissach und Basel (260 m ü. M.) verlassen wir die Schweiz wieder auf der A5 Richtung Norden.

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