Die Bodensee-Whisky Tour

Man muss nicht immer weit reisen um guten Whisky zu bekommen.


Die Bodenseeregion ist nicht nur für ihren hohen Freizeitwert bekannt, sondern auch für ihren hochwertigen Hopfen und vor allem für ihr hervorragendes Bodenseeobst. Es wundert daher also kaum, dass in der Bodenseeregion auch viele kleine und große Brennereien stehen. Klassisch sind die meisten kleine Abfindungsbrennereien. Diese dürfen im Jahr maximal 50 Liter Obst brennen. Allerdings durften damit früher maximal 300 Liter reiner Alkohol gebrannt werden. Diese Brennrechte wurden einmal vergeben und sind seither nur vererbbar, oder zu kaufen wenn ein Hof etc. sein Brennrecht abgibt. Daher haben heute viele Brennereien noch das Recht 300 Liter zu brennen. Dazu kommen die großen gewerblichen Brennereien, die sogenannten Verschlussbrennereien. Diese dürfen erheblich mehr Obst brennen, müssen dafür aber viel strengere Auflagen für die Steuer erfüllen. Der Brannt bleibt so lange unter (Zoll)verschluss, bis er abgefüllt wird. Erst dann wird er besteuert.

Ebenso wie auf der Schwäbischen Alb ist auch die Bodenseeregion für ihr Obstanbau bekannt. Und wo Obst ist, ist auch die Brennerei meist nicht weit. Und vom klassischen Schnaps und Korn ist der Weg zum Whisky gar nicht weit. So haben seit einigen Jahren einige Brennereien auch damit begonnen sich an den Whisky zu getrauen. Und das mit zunehmendem Erfolg. Zwar muss man, wie in ganz Deutschland, auf torfige Whiskys verzichten weil hierzulande Torf unter Naturschutz steht und nicht gestochen werden darf. Dennoch kann der Whiskyliebhaber mittlerweile von frisch, fruchtigen bis zu schwer, rauchigen Noten alles auch bei heimisichen Whiskys finden.

Seit 2014 haben sich daher ein paar Whiskybrenner, ähnlich wie auf der Schwäbischen Alb, zusammen getan um gemeinsam den Whisky vom Bodensee zu vermarkten.
Die Bodensee Whisky Tour ist ein ganz besonderes Tageserlebnis für jeden ab 18 Jahren.
Mit einem Bus und der Brennerin und Whisky Sommelierin Silke Senft geht es dann völlig unbeschwert auf die Bodensee Whisky Tour. Jeder Teilnehmer bekommt dafür noch sein persönliches Whisky-Tour-Equipment. Eine Umhängetasche, Degustationsnotizblock, Kugelschreiber, Bodensee-Whisky-Tour-Glas und ein Mineralwasser.

Vom Startpunkt Überlingen geht es mit dem Bus und maximal 24 Personen früh Morgens gleich ins benachbarte Salem zu der Destillerie Senft.
Hier wird man vom Inhaber Herbert Senft persönlich empfangen. Er war Kellermeister für den „Markgraf von Baden“ und beim „Winzerverein Hagnau“ bevor er gewerblich zu brennen begann. Bei der Brennerei Senft bekommt man die Brennblase und das Fasslager gezeigt. Im Anschluss geht es dann in den neuen Verkaufsraum. Während man im Erdgeschoss sämtliche Brannterzeugnisse aus dem Hause Senft erwerben kann, gibt es auf der Empore das erste Whisky Tasting. Wer nach dem „Bodensee-Whisky“ noch möchte, kann auch noch die verschiedenen Edelbrände oder den „Bodensee-Gin“ probieren.
Übrigens wird das benötigte Korn hier auf eigenen Äckern selbst angebaut.
Destillerie Senft - Bodensee-Whisky

Um etwas vom Tasting verschnaufen zu können, geht dann die Bodensee Whisky Tour weiter zum Kloster Birnau. Das Kloster bietet einen traumhaften Blick über den Bodensee und die Teilnehmer erfahren bei einer Führung einiges über die Klosterkirche Birnau.
Danach, zur Mittagszeit, kann man entweder die Zeit zur freien Verfügung genießen, oder am Fuß der Birnau im Rebmannshof in Uhldingen-Mühlhofen an einem gemeinsamen Mittagessen auf eigene Kosten teilnehmen.
Wer, wie ich, zu dieser Tagestour mit dem Auto angereist ist, sollte sich spätestens hier ernsthaft überlegen am See zu übernachten oder von vorn herein einen Beifahrer mitnehmen der sich aus Destillaten nichts macht.
Kloster Birnau am Bodensee

Nach der Mittagspause führt die Bodensee Whisky Tour anschließend nach Kressbronn zur Destillerie Steinhauser. Neben einem großen Getränkemarkt für die Region wird hier auch gekeltert und Edelbrände hergestellt. Seit 2008 auch Whisky.
Hier können die Teilnehmer neben dem gereiften Whisky „Brigantia“ auch einen jungen, gerade mal zwei Wochen alten Whisky verkosten. Besonders stolz ist die Brennerei Steinhauser auf ihr Brenngerät aus dem Jahre 1890.
Auch hier darf man noch neben dem Hauswhisky gerne noch den prämierten „See- Gin“ versuchen.
Destillerie Steinhauser - Brigantia

Mittlerweile ist es Nachmittag und selbst wenn man nicht zu viel bisher versucht hat, wird man es langsam, aber sicher merken. Das letzte Whiky Tasting bringt uns dann nicht in eine weitere Brennerei, sondern in die „Greth“ nach Überlingen. Die Greth ist eine mittelalterliche Markthalle, in der vor allem Getreide und Wein umgeschlagen wurde. Ein passendes Ambiente also um den letzten Whisky aus der Destillerie Waibel aus Nesselwangen zu probieren.
Marco Waibel verdient eigentlich sein Geld mit Gemüse. Sein über 90 jähriger Vater aber hatte schon vor über 15 Jahren mit dem Whisky brennen angefangen. Was damals noch schwer verkäuflich und eher belächelt wurde, hat sich mittlerweile als etwas ganz besonderes heraus gestellt. Vater und Sohn brennen Whisky aus reiner Liebe zum Destillat. Ihnen ist der Geschmack genau auf den Punkt 1000 mal wichtiger als Masse zu verkaufen. Das schmeckt man als Teilnehmer auch beim Ergebnis, dem Whisky „Keyne Eyle“.
Mir persönlich hat dieser Whisky am besten Geschmeckt. Schon das Nosing brachte mich zum lächeln. Erst recht dann der Geschmack. Einfach wunderbar!
Warum ich mir keine Flasche mitgenommen habe? Da warte ich noch auf den passenden Anlass. Es werden jährlich nur 500 Flaschen des köstlichen Whiskys abgefüllt. Eine Flasche kostet dann ab 250 Euro.
Destillerie Waibel - Keyne Eyle

Auf dem Rückweg zu den drei Ausgangspunkten rund um Überlingen gibt es dann noch im Bus ein letztes Tasting. Auch vom Bodensee, aber von den Brennern aus der Schweiz. Es wird der „Säntis Malt“ der Brauerei Locher ausgeschenkt. Das besondere an diesem Whisky, er wird im Bierfass gelagert.

Fazit und Kosten:

Die Bodensee Whisky Tour schlägt mit 145 Euro zu Buche. Dazu kommt noch das eventuelle Mittagessen sowie eventuelles Abendessen und gegebenenfalls die Übernachtung. Damit ist die Bodensee Whisky Tour sicher kein Schnäppchen, aber den Preis absolut wert. Die Bodensee Whisky Tour lohnt sich für Whisky Freunde auf jeden Fall für ein einmaliges Erlebnis.
Ich fand es sehr spannend zu sehen und vor allem zu schmecken was die Brenner am Bodensee können. Es ist eigentlich für jeden Geschmack etwas dabei und jeder wird seinen Liebling am Ende finden. Mir hat es besonders der Whisky „Keyne Eyle“ angetan. Mal schauen wann ich zu einem Fläschchen davon komme.

Infos:

Zur Bodensee Whisky Tour gibt es hier: www.bodensee-genuss-erlebnisse.de

Tipps:

Am besten ein ganzes Wochenende in Überlingen am Bodensee einplanen.
Zum einen hat man morgens keine frühe Anreise und zum anderen kann man dann unbeschwert über den gesamten Tag die verschiedenen Brände probieren und genießen.
Zum Abschluss wird noch fakultativ ein Whisky-Menü angeboten. Da wird regionales Essen mit regionalem Whisky nicht nur beim Kochen verbunden.

 

Wem die Bodensee Whisky Tour gefallen hat, sollte auch einmal den
Schwäbischen Whisky Walk machen.

Slainte und Ade!

Ein Kommentar:

  1. Pingback: Der Schwäbischer Whisky Walk - Reise Blögle

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