Eine Jugendherberge und ein DJH Resort

Was für ein Tag. Friesland und Ostfriesland. Tee, Seenotretter und Floßbau. Das gab es heute für mich alles zu entdecken.

Meine erste Nacht in einer Jugendherberge seit langem war einwandfrei. Ich hab, abgesehen von einem Fehlalarms eines sich langweilenden Feuermelders, wunderbar geschlafen und ging ausgeruht zum Frühstück in den Essenssaal. Tja, und hier wurde ich auch wieder positiv von den heutigen Jugendherbergen überrascht. Nach den großen Stahl-Teekannen suchte man verzweifelt. Ein wirklich leckeres Frühstücksbuffet mit Wurst- und Käseaufschnitt. Gemüse bis hin zu diversen Müslisorten und Obst gibt es alles. Nachhaltigkeit bedeutet hier beispielsweise das hier und da wo es möglich ist auf regional und/oder auf Bioprodukte zurückgegriffen wird.
Um dies best möglich zu realisieren schließen sich immer mehr Jugendherbergen zu Einkaufsgemeinschaften zusammen um hohe Qualität zu einem vernünftigen Preis in den Essensplan der Jugendherbergen zu integrieren.
Klar gibt es Tee, aber auch einen Kaffeeautomaten mit den gängigen Kaffeeprodukten. Vom schwarzen Kaffee bis zum Milchkaffee ist alles zu bekommen. Selbstverständlich gibt es diverse Brotsorten und Brötchen sowie diverse Brotaufstriche.

Der Klassiker im neuen Outfit: Die DJH Schillighörn

So gestärkt konnte der Tag beginnen. Heute ging es zuerst einmal nach Friesland in den 80 Seelen Teilort Schillig der Gemeinde Wangerland. Dort steht seit 1970 direkt hinter dem Deich die Jugendherberge Schillighörn.
Seit Mitte des Jahres wurde das Haus um einen modernen Neubau erweitert. Hier entstanden zusätzliche 16 Vierbett- und zwei Sechsbettzimmer die alle jeweils mit eigener Dusche und WC ausgestattet sind.

Die Lage des Hauses ist eigentlich schon Programm genug. Vor dem Deich ist das UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer, das es heißt von den Klassen entdeckt und erlebt zu werden. Am eindrucksvollsten erlebt man das Wattenmeer bei einer Wattwanderung unter fachkundiger Führung. Auf dem Spaziergang durch das Watt können die Klassen dabei viel über die Entstehung von Ebbe und Flut sowie die Vielfältigkeit der vielen Lebewesen im Watt erfahren.
Wer hätte vor so einer Wattwanderung gewusst, dass ein einzelner Wattwurm im Jahr ungefähr 25 Kilogramm Sand reinigt.

Die Jugendherberge wird noch von „klassischen“ Jugendherbergseltern geführt. Michael Bremer und seine Frau kümmern sich um die Gäste der Jugendherberge. Und wie man sich einen echten Jugendherbergsvater (heute Hausleiter) vorstellt geht das Kümmern weit über das normale hinaus. So zeigt er den Klassen Abends auf dem Deich schon mal wie bezaubernd ein Sonnenuntergang sein kann oder auch was die diversen Leuchtsignale an der Küste entlang zu sagen haben.

Jeden Dienstag können die Gäste einen Vortrag über die Seenotretter der DGzRS bekommen. Der Herbergsvater ist aktives Mitglied einer Mannschaft und kann daher nicht nur Videos über das Tätigkeitsfeld der Seenotretter zeigen, sondern im DGzRS-Overall gekleidet auch aus echten Einsätzen berichten. Das fesselt jeden und sensibilisiert die jungen Leute auch für die Gefahren die es rund um das Wattenmeer geben kann.

Das Thema Nachhaltigkeit hat in dieser Jugendherberge den Schwerpunkt bei der Integration. Die Jugendherberge Schillighörn ist die erste Team-Jugendherberge im Nordwesten und setzt sich in diversen Programmen mit dem Thema Integration und Migration auseinander. So sind beispielsweise alle Zimmer des Neubaus nach Zuwanderungsländern benannt. Zu jedem Land gibt es eine Infotafel mit einigen Fakten über das jeweilige Land. So gibt es oftmals schon die ersten Diskussionen beim verteilen der Zimmer. Manche finden ihr Herkunftsland wieder, andere möchten unbedingt in diesem Land schlafen und wieder andere fanden einfach das Land wegen der Entfernung spannend.

Ein Spruch des Hausleiters trifft es auf den Punkt:
„Chillig in Schillig“ – Mehr gibt’s dazu wirklich nicht zu sagen.

Mit diesen Eindrücken hieß es dann Abschied nehmen und mich auf zur nächsten Station, meinem Tagesziel, zu machen.
Es ging heute Nachmittag dann nach Ostfriesland nach Neuharlingersiel.

Die Jugendherberge mal anders: Das DJH Resort Neuharlingersiel

Durch Zufall bekam der DJH Landesverband Unterweser-Ems preiswert eine ehemalige Reha-Klinik angeboten. Das Gelände, rund 60.000qm, war verlockend, die Bebauung herausfordernd. Wie also dieses Gelände zu einer Jugendherberge entwickeln? Ziemlich schnell war klar das man hier eine einmalige Chance hatte etwas ganz neues zu wagen. So wurde schnell aus einer Idee ein Konzept und aus diesem schlussendlich das DJH Resort Neuharlingersiel.

Manch einer fragt sich jetzt sicherlich „eine Jugendherberge und gleichzeitig ein Resort, geht das?“ Mein erster Eindruck: Ja, ich glaube dem DJH Team ist das einzigartige Projekt absolut gelungen.

Das gesamte Resort bietet fast 400 Betten. Diese verteilen sich auf 78 Apartments für Familien bis zu sechs Personen, sechs Bungalows sowie das „Friesenhaus“ mit 14 Doppelzimmern und natürlich den Mehrbettzimmern für Schulklassen. Natürlich haben alle Einheiten ihre eigene Dusche und WC. Lediglich die Mahlzeiten werden in einem Speisesaal zusammen eingenommen. Alles ist modern eingerichtet und es gibt alles was man für den Betrieb eines Resorts braucht. Diverse Tagungsräume dürfen da nicht fehlen.

Natürlich geht es auch in einem DJH Resort hauptsächlich aber um das Gefühl Gemeinschaft erleben und die pädagogische Freizeitmöglichkeiten. Das ist ein Kernunterscheidungsmerkmal zu anderen Anbietern im Segment der Familienurlaube. Dabei gibt es für jedes Alter tolle Angebote. So kann man sich kreativen Tätigkeiten wie basteln oder in der „Scool of rock“ zum Musik machen treffen, Bogenschießen lernen, in der Gruppe ein Floß bauen und das dann zusammen zu Wasser lassen, im Wattlabor das Leben im Watt unter die Lupe nehmen und noch viel mehr. Auch hier können die Kinder so ihre soziale Kompetenz fördern, neues kennen lernen und auch die Eltern haben genug Zeit einmal etwas runter zu kommen. Dafür gibt es unter anderem das öffentliche „Seekaffee“. Hier kann man tagsüber eine typische ostfriesische Teezeremonie erleben oder den Tag vor dem Kamin und einem Whisky von der Bar ausklingen lassen.

Das tolle an dem Resort ist vor allem das alles „All in“ ist. Im Wochenpreis sind nicht nur Kost und Logis enthalten sondern auch nahezu alle Freizeitangebote von Beachvolleyball bis zur Slackline. Lediglich ein paar wenige Angebote, die von externen Partnern, wie das Stand Up Paddle (SUP), werden extra berechnet.

Alles in allem ein tolles Konzept das seine Feuertaufe in der ersten Saison mehr als gut bestanden hat. Ich finde hier sieht man prima das auch die Deutschen Jugendherbergen sich mit ihrer über 100 Jährigen Geschichte immer wieder auf die gesellschaftlichen Veränderungen einstellen können ohne dabei ihre Werte zu verlieren. So bietet das DJH Resort Neuharlingersiel unter anderem für Familien eine wirkliche Alternative zu einem beliebigen „All in“ Urlaub.

Ihr merkt schon ich bin begeistert. Und das, obwohl ich keine Familie habe. Trotzdem gefällt mir das Konzept und die Umsetzung sehr und ich kann es Familien eigentlich nur empfehlen das einmal selbst zu testen und zu erleben.

Sodele, jetzt ist es aber spät geworden. Ich bin mal gespannt was mich Morgen noch erwartet. Ich hoffe ihr auch.

Ade

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.