Erfurt an einem Tag

Was man sich in Erfurt auf jeden Fall anschauen sollte.

Ja, manchmal hab auch ich als Reiseblogger für eine Stadt nicht immer so viel Zeit wie ich gerne hätte. Zwischen dem Besuch auf der Wartburg in Eisenach und Weimar habe ich mir auch noch Erfurt an einem Tag angeschaut. Viel zu kurz, aber das was ich gesehen habe gefällt.
dsc01535 Das Zentrum Erfurts ist wirklich sehenswert. Erfurts Stadtkern hat nahezu alle Zeiten mehr oder weniger gut überstanden und kann sich daher glücklich schätzen mit einem historischen Stadtkern aufzuwarten. Hier stehen noch stolze Patrizierhäuser und alte Fachwerkhäuser, die mit ihrem Charme zum verweilen und entspannen einladen.
Ja, Erfurt ist eine kleine, lebendige und junge Stadt. In den Straßen und Gassen oder in den Cafés und Bars ist immer was los. Kein Wunder. Erfurt ist die Landeshauptstadt und auch die größte Stadt Thüringens. Die Universität zieht aus dem gesamten Umland natürlich junge Leute an. Und das tut der Stadt merklich gut.

Eine kleine Tour durch Erfurt:

Meine Vorschläge für einen Tag sind quasi das „best of“ und sicherlich gibt es noch viel mehr zu entdecken. Wenn man mich fragt würde ich auch mindestens 2 Tage in Erfurt einplanen zu bleiben. Es gibt wirklich viel zu entdecken.

dsc01525 Der Anfang macht ein Bauwerk, das ich so mit Erfurt gar nicht in Verbindung brachte.
Die Zitadelle Petersberg
Auf einer Anhöhe Erfurts, wo früher ein Benediktiner Kloster stand, wurde im 17. Jahrhundert die Zitadelle Petersberg errichtet. Zu dieser Zeit war Erfurt übrigens unter kurmainzerischer Herrschaft. Erst 1801 wurde Erfurt preußisch. Die barocke Festungsanlage wurde immer wieder umgebaut und erweitert. Sie gilt als die größte und besterhaltenste Festung Europas. Heute lohnt sich der kleine Aufstieg um in der Glashütte (Petersberg 11) einen Kaffee zu schlürfen und vor allem einen wundervollen Blick über Erfurt zu genießen. Wer mehr Zeit mitbringt, sollte unbedingt eine Führung in den Horchgängen und Kasematten der Festung machen. Spannend und im Sommer eine angenehme Abkühlung zwischendurch.
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Am Fuße der Zitadelle Petersberg liegt der Domplatz.
Die Ausmaße des Domplatzes sieht man am besten von der Zitadelle aus. Ursprünglich war er einiges kleiner wie man am unterschiedlichen Belag des Platzes sieht. Der eigentliche Domplatz ist mit Basaltpflaster ausgelegt, wohingegen der Rest mit Betonsteinen gepflastert wurde. Als die französisch besetzte Festung Erfurt von den Belagerern (Preußen, Russland und Österreich) 1813 angegriffen wurde ging durch Artilleriebeschuss die Severien-Viertel stark in Mitleidenschaft gezogen und nicht wieder aufgebaut. Der Marien Dom im gotischen Stil mit romanischen Elementen ist ein Besuch wert. Vor allem der barocke Hochaltar von Lucas Cranach d. Ä. (ca.1520), der „Die Verlobung der Heiligen Katharina“ zeigt, ist sehenswert.
Übrigens: Martin Luther wurde hier im April 1507 zum Priester geweiht.
Auf den Treppen zum Dom finden jeden Sommer die DomStufen-Festspiele statt.
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Um sich zwischendurch zu stärken, kann ich natürlich nur eine echte Thüringer Bratwurst empfehlen. Vom Domplatz läuft man durch die schönen Gassen bis zur Waagegasse 1. Hier ist Faustfood. Hier wird auf echter Holzkohle gegrillt. Schmeckt klasse und ist Kult!
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Auch Erfurt hatte früher eine große Jüdische Gemeinde. Die Alte Synagoge wurde gegen 1100 angefangen zu bauen und diente dann fast 3 Jahrhunderte als Synagoge bevor sie beim Progrom 1349 stark beschädigt wurde. Der spätere Eigentümer machte daraus ein Lagerhaus und der eigentliche Ursprung des Baus wurde bald vergessen. Ein Glück, wie sich während der Nazi-Zeit herausstellen sollte. Sie erkannten die ehemalige Synagoge nicht und so blieb sie 500 Jahre lang Lagerhaus. Ab dem späten 19. Jahrhundert wurde aus dem Lagerhaus dann die Gaststätte „Zur Feuerkugel“ und bekam später noch einen Tanzsaal und im Keller eine Kegelbahn. Ab den 1990er Jahren wurde dann der Bau untersucht und man beschloss den Bau und seine unterschiedliche Nutzung sichtbar zu machen und daraus ein Museum zu machen das 2009 eröffnet wurde. Es ist der älteste Synagogenbau Europas. Hier liegt auch der berühmte „Erfurter Schatz“, ein rund 25kg Konvolut an Gegenständen aus Silber wie Münzen, Becher und Schmuck der neben der Synagoge gefunden wurde. Das kostbarste Stück dürfte ein jüdischer Hochzeitsring sein.
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Weiter geht die Tour ums Eck auf den Fischmarkt. Er ist der historische Mittelpunkt. Hier stehen unter anderem das neugotische Rathaus und die Kunsthalle.
Vom Fischmarkt ist es nur ein Katzensprung zum wohl bekanntesten Wahrzeichen Erfurts. Der Krämerbrücke. Wer vom Fischmarkt oder vom Wenigemarkt her kommt, bemerkt eigentlich gar nicht, dass er über eine Brücke geht. Kein Wunder, denn die Krämerbrücke ist einzig erhaltene Brücke nördlich der Alpen mit einer beidseitig geschlossenen Brückenbebauung. Auf der 79 Meter langen und 26 Meter breiten Gewölbebrücke stehen 32 Fachwerkhäuser. Die Krämerbrücke löste eine ehemalige Furt durch die Gera ab. Sie war Teil des west-östlichen Handelsweges Via Regia. Wo früher Waren wie das Erfurter Blau, Stoffe oder Gewürze gehandelt wurden findet man heute urige, kleine Läden und Cafés. Richtig bunt geht es jeden Juni beim Krämerbrückenfest zu.
Tipp: Wer Zeit hat sollte gegen eine kleine Spende den Turm der Ägidienkirche besteigen. Belohnt wird man mit einem grandiosen Blick über Erfurt und vor allem über die Krämerbrücke.
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Etwas weiter auf der anderen Seite der Gera kommt man zum Anger. Hier ist neben dem schönen Anger Brunnen. Es ist der zentrale Platz Erfurts. Neben Einkaufsmöglichkeiten gibt es einige Restaurants. Hier treffen sich auch sechs Linien der Straßenbahn.

Kulinarische Tipps:
Faustfood: Thüringer Bratwurst auf Holzkohle gegrillt, Waagegasse 1
Erfruit: Smoothies, Snacks, Suppen, Fischmarkt 2
Patricks Pub: Whiskykeller und Biergarten, Johannesstraße 39
Paulinchen: Gut Schwäbische Küche aus Ravensburg, Paulstraße 17/18
Glashütte: Café und Bar mit Blick über Erfurts Dächer, Petersberg 11

Warst Du schon mal in Erfurt? Wie hat es Dir gefallen und was muß ich mir beim nächsten Besuch unbedingt noch anschauen? Schreib mir in die Kommentare! Bin gespannt!

2 Kommentare:

  1. Mensch, da waren wir ja fast zeitgleich in Erfurt. 🙂
    Mir hats auch sehr gut gefallen. Hatte aber ein wenig mehr Zeit und somit stand auch Weimar noch auf dem Programm (wie bei dir) und das Umland von Erfurt (z.B. der Kyffhäuser).

    Liebe Grüße
    Tanja

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