Mini-Kreuzfahrt ins Weihnachtliche Oslo

Ich hatte Ende des letzten Jahres noch etwas Resturlaub der noch in Anspruch genommen werden wollte. So hab ich mich nach kurzem Überlegen spontan für Oslo entschieden.

Ihr werdet euch jetzt fragen Oslo? Wieso ausgerechnet Oslo? Ausgerechnet im Winter! Ja, eigentlich genau deshalb.
Irgendwo ne Woche Sonne buchen und quasi nichts tun, darauf hatte ich keine Lust. In der Schweiz war so kurzfristig nichts mehr zu bezahlbaren Preisen zu bekommen und innerhalb Deutschlands zu bleiben, darauf hatte ich auch keine Lust.
Also ruck zuck alles für Oslo online gebucht und ab ging die Reise.

bbciwt8icaaiowy-jpg-large Am Samstag, 14. Dezember ging es dann morgens mit dem direkten ICE von Stuttgart nach Hamburg hoch in den Norden. Dort hatte ich mir eine Nacht im Suite Novotel Hamburg City gebucht. Die Idee war, einen Nachmittag etwas durch Hamburg zu bummeln. Leider hatte ich aber kein großes Glück mit dem Hamburger Wetter. Es regnete. Aber nicht nur das miese Wetter begrüßte mich, sondern auch ein Mövenschiss direkt auf mein Hosenbein als ich nur einige Schritte vor den Hauptbahnhof Hamburg setzte. Na Bravo!
Da ich sowieso noch etwas erkältet war, ging es nach dem Check-Inn nur schnell eine Kleinigkeit essen und beschloss dann dem verregneten Hamburg die Badewanne vor zu ziehen.
imgp3394 Nach einem ausgiebigen Frühstück am Sonntag fuhr ich dann mit dem Regionalexpress nach Kiel weiter. Quasi ein Katzensprung. In Kiel ist es dann auch nicht wirklich weit vom Hauptbahnhof an den Norwegenkai und das Color Line-Terminal zu gelangen. Dort angekommen durfte ich mich in eine Warteschlange für die Bordkarte anstellen. Lediglich zwei Schalter dafür sind einfach viel zu wenig! Vor allem, weil im Terminal in Oslo das ganze auch an direkt an einem digitalen Terminal vom Bootsgasten selbst gelöst werden kann. Naja, irgendwann hatte dann auch ich meine Bordkarte, die zugleich auch die Zugangskarte für meine Koje sein sollte.
Bis zum Boarding um 12 Uhr hieß es dann sich die Zeit zischen Norwegenurlaubern und Norwegern zu überbrücken.
Das Einschiffen begann dann etwas verspätet. Die Norweger, die nur mit der Fähre nach Deutschland rüber fahren um Alkohol zu bunkern verspäteten sich etwas. Ok, sie hatten auch einiges zu schleppen.
Trotz alle dem hieß es punkt 14 Uhr: „Leinen los“ und die Mini-Kreuzfahrt nahm ihre Fahrt auf.
393938_color-line-minikreuzfahrt-kiel-oslo-kiel_xxl Da ich schon x-mal die Kieler Förde rein und rausgefahren bin, konnte ich die Zeit nutzen um kurz meine Kabine zu suchen, mein Koffer darin zu verstauen und anschließend den ersten Rundgang über das gesamte Schiff zu machen. Zu dieser Zeit ist ein richtiges Gewusel in den Gängen zu den Kabinen, an den Fahrstühlen und im Restaurant. Hier wird schnell versucht fürs Abendessen die besten Plätze zu reservieren. Irgendwie typisch Deutsch. Fehlt nur das Handtuch auf den Stühlen.

Die Color Magic ist ja zu richtigen Kreuzfahrtschiffen ein Wurm, jedoch für mich eigentlich selbst schon zu viel. Ein großes Buffetrestaurant, ein a la Carte Restaurant, Ein Italiener, ein Pub und ein Kaffee. Dazu gibt’s noch das Panoramadeck mit wiederum einer Bar und einem amerikanischen Diner. Damit die Eltern dann gemütlich ohne Stress auf der Promenade shoppen können, gibt es noch ein Vergnügungsbad. Und wenn man dann genug in überteuerten Läden zugeschlagen hat, gibt es zweimal am Abend die Möglichkeit im Theater ein Showprogramm anzusehen.
imgp3415 Das Shopping- wie auch Badeerlebnis habe ich mir gespart. Eine der beiden Shows aber habe ich mir nicht entgehen lassen. Und tatsächlich ist es so, wie man sich das auch so vorstellt. In dem atriumartigen Theater sitzen dann Menschen jeglicher Couleur. Menschen in Jeans und Pulli wie ich, Reisende im Jogginganzug bis zur großen Abendgarderobe ist alles vertreten. Also absolut bunt gemischt. Und dann beginnt es, das Showprogramm. Zum Glück hatte ich mir zuvor noch in der Theaterbar einen Cocktail bestellt. Man könnte vermuten  man sei auf einer dieser Castingshows, auf denen eher untalentierte Menschen meinen ihre Darbietungen seien Oberklasse.
Naja, immerhin eine Stunde irgendwie lustig unterhalten worden. Wäre das ganze ein Comedyprogramm gewesen, wäre es vermutlich ein Erfolg geworden.

Nach dieser Aufregenden Abendgestaltung ging ich auf mein Zimmer und machte es mir da gemütlich. Ich hatte eine großzügige 14 m² große Kabine mit Ausblick auf die Shoppingpromenade im Herzen des Schiffes gebucht. So konnte ich dann während die Fähre durch die nächtliche Ostsee stampfte im Bett den ARD Tatort anschauen. Perfekt.
imgp3397 Nahezu auf die Minute pünktlich legte dann die Color Magic am Montag um 10 Uhr am Hjortneskai in Oslo an. Es war trocken, aber grau in Oslo. Mit dem Taxi lies ich mich dann in die City ins Radisson BLU Plaza Hotel bringen. Dort schnell eingecheckt, Koffer ins Zimmer gestellt und mit meinem Foto gerüstet auf zur ersten Erkundung der City.
Es ist wohl unnötig zu erwähnen das es, kurz nachdem ich das Hotel verlassen hatte, anfing zu regnen. Naja, was solls. Ich hatte ne Wollmütze auf dem Kopf und kalt war es sowieso nicht. Tatsächlich hatte Oslo keinen Schnee vorzuzeigen. Nur hier und da waren noch ein paar grauweiße Häufchen zu erkennen. Aber mit 8 Grad über Null wars auch hoch oben im Norden einfach zu warm für echten Winter.
imgp3461 So habe ich dann trotz beständigem Nieselregen in einer ersten Runde Oslo erkundet. Da das Raisson Blu direkt neben dem Hauptbahnhof steht, war der natürlich mein erster Anlaufpunkt. Eine ziemlich große Station der Neuzeit. Eher Zweckbau als Ort des Verweilens. Im alten Bahnhof nebenan ist unter anderem ein Hotel untergekommen. Trotzdem ist der Hauptbahnhof das Verkehrsherz Oslos. Hier treffen sich Fernverehrszüge mit dem Nahverkehr, hier kann man sofort in die Osloer Straßenbahn oder in einen der zahlreichen Buslinien umsteigen. Alles zentral und praktisch verbunden.

Unweit vom Hauptbahnhof liegt dann das nächste Touri-Highlight: Die Oslo Oper . Ein weißes Bauwerk mit Ähnlichkeit eines Eisberges steht am Rand des Hafens und fliest förmlich direkt in diesen. Für mich sah die Oper jedenfalls interessanter aus als die Sydney Opera, wenn auch kleiner.
imgp3470 Von der Oper ging es dann weiter zu den Wurzeln Oslos. Zur Festung Akershus.  Vor den Toren der Festung sieht man auf einer Wiese noch Reste der Grundmauern der vermutlich ersten Besiedlung Oslos. Die Festung selbst liegt etwas erhöht über dem Hafen. Von hier aus hat man einen tollen Blick in die Stadt und hinaus auf den Oslofjord. Da Montag war, hieß es auch hier: Museum geschlossen.
imgp3499 Also runter von der Festung in Richtung Hafen. Dort steht wuchtig das Osloer Rathaus. Typischer 50iger Jahre Bau. Kantig und Klotzig. Da es in Oslo schon gegen halb 4 langsam dunkel wurde, spazierte ich dann über die Karl Johanns Gate der Haupteinkaufsstraße durch Oslo. Vorbei am Nationaltheater und Museen, durch den Julemarket zurück ins Hotel um den Tag gemütlich und im warmen und trockenen ausklingen zu lassen.

Dienstag ging es dann nach einem leckeren Frühstücksbuffet los. Die Oslo Tourist empfiehlt und bewirbt stark den OsloPass , ein Ticket das die öffentlichen Verkehrsmittel und Eintritte in fast allen Museen, Ausstellungen und diverse Vergünstigungen in Oslo beinhaltet. Das Ticket gibt es für 24, 48 oder 72 Stunden. Das 24 Stunden Ticket kostet beispielsweise 145 NOK (ca 17,10 EUR).
imgp3547 Man muß sich genau überlegen ob man wirklich das ganze Angebot nutzen möchte und ob es sich dann überhaupt rechnet. Das Tagesticket für den öffentlichen Nahverkehr, also Busse, Straßen- und U Bahnen, sowie die Personenfähren kostet gerade mal 65 NOK (ca 7,70 EUR). Also klar was ich gelöst habe, oder? Genau! Das normale Tagesticket. Und so hab ich mich dann auch gleich in die Linie 1 der T-bane geschwungen. Das ist die älteste Linie der Metro. Sie wurde 1898 eröffnet und führt aus der Stadt in knapp 10 Kilometern raus auf den Holmenkollen.
imgp3540 Zur Nordischen Ski-Weltmeisterschaft 2006 wurde die Strecke komplett erneuert und ist heute eine hochmoderne Verbindung in die Stadt. Von der Station Holmenkollen ist es dann aber noch eine gute viertel Stunde hinauf zum eigentlichen Ziel, zur Skisprungschanze, zu gehen. Lohnenswert ist der Besuch des Skimuseums am Fuß des Sprungturmes. Erzählt werden dort auf anschauliche Weise die 4000 jährige Geschichte des Skifahrens.
Als Highlight kann man dann mit dem Lift hoch hinauf auf den Schanzenturm fahren. Dort kann man fast vom Balken aus die Schanze hinunter in den Landebereich blicken. Beeindruckend und nichts für Leute mit Höhenangst.
imgp3537 Ein paar Stufen weiter oben wird man für den Aufstieg mehr als belohnt. Von hier hat man einen gigantischen rundum Blick über Oslo. Man kann weit in die Täler und raus auf den Oslofjord schauen. Würde es dort oben nicht so winden, man könnte Stunden mit der Aussicht verbringen.

Nach diesen Eindrücken wollte ich dann noch eine Lichtinstallation besichtigen. So fuhr ich also vom Holmenkollen zurück in die Stadt um dann mit der Ringbahn zur Station Nydalen zu fahren. Die Station wurde erst 2000 gebaut um ein neues Stadtviertel, das bis Mitte der 80er des letzten Jahrhunderts noch Industriegebiet war, zu erschließen. Die Rolltreppen in die Station Nydalen wurden von einem Lichtkünstler gestaltet und nennt sich „Tunnel Of Light“.  Für das, das es rund 70 mio NOK kostete, ist der Zustand heute etwas heruntergekommen. Die Installation funktioniert nur noch teilweise und einige der Neonröhren sind längst von ihrer eigentlichen Befestigung losgerissen und liegen teils defekt im Objekt herum. Naja.
imgp3559 So fuhr ich dann wieder in die Stadtmitte und stieg am Nationaltheater aus und schlenderte ein wenig durch die Einkaufsstraßen. Oslo hat ihre Shoppingwelt ganz gut gelöst. In der Nähe des Hauptbahnhofes sind drei große Häuser über Stege miteinander und mit dem Hauptbahnhof verbunden. Dort findet man die typischen Flagshipstores von den bekannten Weltmarken die man braucht oder eben auch nicht. In der Stadt selbst sind dafür hauptsächlich noch echte Einzelhändler. Hier merkt man auch das zum einen die Norweger recht gut verdienen (Preisniveau ähnelt der Schweiz) und vor allem aber auch, das sie Wert auf Qualität legen. Spielzeugläden mit wertigen (Holz)Spielsachen aus Norwegischer Herstellung, kleinere und größere Modeläden die ebenso selbstproduzierte Waren anbieten und trotzdem erschwinglich sind. Alles in allem vermittelt es jedenfalls den Eindruck das der Norweger mehr Verstanden hat als zum Beispiel wir Deutsche. Wir kaufen immernoch viel zu gern nach dem Motto „geiz ist geil“ ein und wundern uns gleichzeitig über schlechte Qualität, Arbeitslosigkeit oder gefährliche Stoffe in Waren.
imgp3507 imgp3573 Auch im Verkehr scheinen die Norweger einen Schritt voraus zu sein. Klar, auch die Norweger haben den Individualverkehr in der Stadt, doch vergebens sucht man nach dicken SUVs. Im Gegenteil. In der Stadt flitzen viel mehr Kleinwagen umher als bei uns. Und vor allem ganz viele kleine Elektrofahrzeuge. Private wohlgemerkt. Nicht wie bei uns Elektrofahrzeuge, die über CarSharing Angebote die die Zulassungsstatistik schönen. Das liegt vielleicht auch daran dass in Norwegen das Elektromobil attraktiv gemacht wird. Zum einen über Steuererleichterungen, zum anderen aber auch mit ganz praktischen Vorteilen in der Stadt wie freies Parken, Busspurnutzung und ausreichend öffentlichen Stromtankstellen.

Zum Abend, also gegen 4 wird es ja dunkel, ging ich dann zum Hafen. Dort steht nicht weit vom Rathaus das Nobel Friedenszentrum. Ein tolles Gebäude mit einer tollen Ausstellung.
imgp3578 Direkt an das ehrenwerte Haus, an den Fähranlegern, beginnt heute das Aker Brygge. Kurz gesagt, so etwas ähnliches wie die Hamburger Hafenstadt. Nun, ob schön oder nicht schön muß jeder für sich entscheiden. Zum Sonnenuntergang ist es auf alle Fälle empfehlenswert ans Ende zu laufen und sich dort dem Schauspiel des Sonnenuntergangs ergeben.
Nicht nur für Verliebte eine einmalige Stimmung.
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Tja, und so ging auch schon wieder ein weiterer Tag zu Ende. Am Tagesende war ich dann sehr froh im Zimmer eine Badewanne gehabt zu haben. So den Tag ausklingen zu lassen, einfach wunderbar.

imgp3675 Der Mittwoch stand unter dem Motto der Heimfahrt.
Einschiffung um 12 Uhr in die Color Magic. Die Tickets sind auf norwegischer Seite viel leichter zu bekommen. Hier kann man auch am Schalter seine Tickets persönlich abholen, oder man geht an eines der Terminals und lässt sich sein Ticket selbst raus.
Pünktlich um 14 Uhr legte dann auch die Color Magic wieder mit Kurs Kiel ab.
Auf dem Weg zur Koje vielen mir im Treppenhaus die Ablagen auf. Dort, wo bei der Hinreise Werbebroschüren lagen, waren nun Kotztüten platziert. Mit einem kurzen Blick und Schmunzeln nahm ich das war. Kaum legten wir ab und verließen Oslo in Richtung See wurde mir auch klar warum. Der Kahn schaukelte bei dem einsetzenden Regen und Starkwind doch etwas hin und her. Auf der Shoppingpromenade waren dann auch ziemlich wenig Menschen unterwegs. Ich fand das ganz angenehm. So konnte ich nun auch einmal gemütlich durch die Läden schlendern ohne viel Gedränge zu haben.
aa1c17ca67e711e3872f125d33de7526_8 Als dann Abends das Schaukeln richtig zu nahm nutze ich die Gelegenheit in eine nahezu leere Pizzeria zu gehen und dort genüsslich eine Handgemachte Steinofenpizza zu verspeisen. Lecker! Und vor allem so ruhig!
Gut gesättigt bin ich dann noch kurz bevor sie zumachten einen Stock tiefer in den Dutty Free Shop gegangen. Auch hier war ich nebst dem Personal ganz allein. Ganz ohne kam ich dann auch nicht raus. Eine leckere Elchsalami und ein Whisky mochten unbedingt mitgenommen werden.

Einschlafen bei etwas Seegang ist übrigens wunderbar. Jedenfalls ich konnte in dieser Nacht wie ein Stein schlafen. Ich fühlte mich irgendwie wie in den Schlaf gewiegt. Was will man mehr?

Keine Ahnung wie sie es machen, aber Punkt 10 Uhr machten wir wieder in Kiel fest. Nach dem Ausschiffen hatte ich ein e knappe Stunde am Bahnhof in Kiel zu warten und stieg dann in einen ICE nach Frankfurt. Dort musste ich noch einmal kurz in einen EC umsteigen um dann Nachmittags wieder in Stuttgart zu sein.

Diese Mini Kreuzfahrt kann ich eigentlich jedem uneingeschränkt weiter empfehlen. Man sollte aber auf alle Fälle mindestens eine Nacht in Oslo dazu buchen. Nur hin und am selben Tag wieder zurück wäre eine Schande. Man würde viel zu wenig von der schönen Stadt Oslo sehen.

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