Mit dem Fernbus von Stuttgart nach Berlin

Seit 2013 gibt es in Deutschland wieder Fernbusse im Linienverkehr. Wieder? Ja, seit den 1930´ ern waren Fernbusse ein ganz normales Bild im Straßenverkehr.
ADAC Postbus und Kraftpost Auch vor 2013 gab es in Deutschland Fernbusse. Nur fast nicht innerhalb Deutschlands. Dies lag zum einen daran, daß durch die Regionalisierung der Bus- und Zugverkehr aufgeteilt wurde. Seit den 1980´ ern wurde der Verkehr in Nah- und Fernverkehr geteilt was auch unterschiedliche Zuständigkeiten (Land/Bund) ergab.
Zum anderen berief man sich auf das damals gültige Personen Beförderungs Gesetz (PBefG) in dem neue (Fern)bus Linien nur genehmigt wurden wenn es dadurch eine “Verbesserung der Verkehrsbedienung geben würde. Zu diesem Zeitpunkt war die alte BRD aber sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr bestens zwischen den Städten beispielsweise mit dem InterRegio vernetzt. So gab es nur vereinzelte Linien. Das Groh begnügte sich mit Fernbuslinien ins Ausland.

Für diesen Test habe ich den ADAC Postbus genommen. Es fahren aber derzeit noch zwei weitere Linien, MeinBus und FlixBus, die Strecke Stuttgart – Berlin. Ich hab mich exemplarisch für den gelben Bus entschieden.

Das Buchen:

In diesem Fall machte dies für mich die Presseabteilung von ADAC Postbus, die mir auf meine Nachfrage gerne ein Ticket für diesen Test zur Verfügung stellten. Aber von dem abgesehen ist der Buchungsvorgang übers Internet denkbar einfach. Selbst umbuchen ist möglich, kostet dann aber eine Servicepauschale von 5 Euro. Im Handumdrehen hat mal also sein Ticket, druckt es aus und nimmt es auf die Reise mit.

Die Reise:

ADAC Postbus Fahrgastraum Meine Frenbusreise beginnt eigentlich schon mit der Anreise zur Reise. Tatsächlich muß ich von Stuttgart-Stammheim bis zum Abfahrtsort, dem BOSCH Messeparkhaus an der Messe  Stuttgart/Flughafen fahren und dafür grob zusätzliche 60 Minuten mit dem ÖPNV einplanen. Da der Fernbus 7 Uhr abfährt muss man dafür entweder eine der frühen S-Bahnen erwischen, oder man mietet sich in Stuttgart einen Car2Go. Das ist schneller (ca 25min) und direkt am Messeplatz sind extra Car2Go Ladeparkplätze vorhanden. Übrigen gleich gegenüber der Haltestelle der Fernbusse. Praktisch, aber verursacht natürlich weitere Kosten.

Für das frühe Aufstehen wurde ich dann jedenfalls auf den Fildern mit einem traumhaften Sonnenaufgang belohnt. Das zauberte mir gleich wieder ein Lächeln auf die Lippen und lies den Tag einfacher beginnen.

Am Fernbus angekommen wurde ich sofort von den beiden Fahrern freundlich begrüßt. Der Koffer wurde mir abgenommen und im Frachtraum verstaut. Dafür wird der Koffer wie beim Flieger mit einem Zettel gekennzeichnet. Den „Abriss“ bekommt man selbst um am Ziel auch wieder seinen und keinen ähnlich aussehenden Koffer zu bekommen.

Dann heißt es einsteigen, Platz suchen (ist im Ticket vermerkt) und ab geht die Post!

ADAC Postbus Sitzecke Wie jeder Fernbus Anbieter hat auch Postbus ganz neue Omnibusse im Einsatz. Die Sitze selbst sind relativ bequem, aus Leder und bieten ausreichend Beinfreiheit. Bei meinen langen Beinen wird das aber schnell unbequem sobald der Vordermann seinen Sitz in die Liegeposition stellt. Glücklicherweise hatte ich einen Sitz am Gang. So konnte ich hin und wieder meine Beine ausstrecken. Zudem ist es ganz praktisch das sich die Sitze um einige Zentimeter voneinander entfernen lassen. Bei zwei größeren Reisenden wird sonst auch das ziemlich eng und oft ungewollt kuschelig.
Glück hat da, wer als Familie oder Gruppe ganz hinten die Sitzgruppe bekommen hat. Da ist relativ viel Platz um einen Tisch herum. Unter jedem Sitz befindet sich eine unglücklich positionierte Steckdose die man nämlich erst mal finden muss. Licht, Lüftung und ein kleines Klapptischchen versuchen die Reise so angenehm wie möglich zu gestalten.

ADAC Postbus Toilette Ganz hinten befindet sich auf Höhe der Sitzreihen das stille Örtchen. Das ist ziemlich ungewohnt. Zum einen weil man von irgendwelchen Vereinsausfahrten sicher noch den Satz kennt „Und keiner geht auf die Toilette im Bus!“ und zum zweiten hat man noch die Toilette im hinteren Treppenbereich im Kopf. Und es ist eben wirklich alles anders. Der eben Zugang zur Toilette lädt auch dazu ein diese zu benutzen. Der Innenraum der Toilette ist im sterilen Vollplastik-Weiß gehalten und bietet alles was man für sein Geschäfft braucht. Selbst kurz vor Berlin mag man noch auf die Toilette, denn bei oder nach jedem Halt wird diese kurz gereinigt.

ADAC Postbus APP Damit die Reise relativ kurzweilig bleibt, werden kalte und warme Getränke sowie Süßigkeiten angeboten. Ich würde mir zusätzlich noch eine Bockwurst mit Brötchen wünschen. Die Reise kann schon ziemlich lange gehen.
Des weiteren gibt es kostenfreies WiFi im Fernbus. Ich muss sagen bis auf wenige Momente hatte ich die ganze Zeit über Netz und konnte mein Leben als Digital Native selbst hier voll auskosten. Über die ADAC Fernbus eigene App für iPhone und Android kann man auch das OnBord Entertainment Programm nutzen. Das bietet von diversen Hörbüchern bis zu aktuellen Spielfilmen eine breite Auswahl an Unterhaltung. Zum Einsatz kommt dafür Velimo von Lufthansa Systems.

Meine Reise führte mich von der Messe Stuttgart dann über die Autobahn Richtung Karlsruhe. Gleich nach Beginn der Reise gibt’s per Video die obligatorischen Sicherheitshinweise. Auch auf die Gurtpflicht in Bussen wird ausdrücklich hingewiesen.
Schon kurz vor Pforzheim Nord begann es sich auf der Autobahn zu stauen. Die Busfahrer rufen dann kurz die ADAC Leitstelle an und fragen nach Alternativen. In unserem Fall wurden wir in Pforzheim Nord ausgeleitet und fuhren dann über die Bundesstraße nach Karlsruhe weiter. Natürlich hatten wir dadurch gleich mal knapp 15 Minuten Verspätung bis wir am Karlsruher Hauptbahnhof ankamen.

Da der Bus ein Bus ist heißt das auch auf der Autobahn eine Maximalgeschwindigkeit von 100 km/h. Da dauert alles gefühlt etwas länger. Nach Karlsruhe wird in Mannheim am Hauptbahnhof und dann am Frankfurter Hauptbahnhof gehalten. In Frankfurt angekommen war ich ernsthaft am überlegen den Bus zu verlassen, auf den ICE nach Berlin warten der in einer halben Stunde gefahren wäre um  dann immer noch gute drei Stunden eher in Berlin anzukommen. Hätte der Bus noch ein paar Minuten länger gehalten wäre ich wohl wirklich ausgestiegen. So aber hatte ich mich überredet dabei zu bleiben und mich weiter auf das Abenteuer einzulassen.

ADAC Postbus APP Streckennetz Von Frankfurt geht es quer durchs Land bis zum nächsten Halt Erfurt Hauptbahnhof. In Erfurt war ich übrigens noch nie habe ich festgestellt und muss das definitiv mal für einen kleinen Wochenendtripp vormerken.
An allen Halten steigen Reisende zu oder aus. Die Halte dauern in der Regel eine Zigarettenlänge. Nach jedem Halt wechseln sich die beiden Fahrer ab. Während der Eine fährt macht der Andere Service und entspannt etwas. Nach Erfurt hält der Fernbus dann noch in Leipzig am Hauptbahnhof bevor es zum Endspurt geht.
Die letzte viertel Stunde vor Ankunft wird es immer etwas hektischer. Da macht wohl der Fernbus auch keinen Unterschied vom Reisen mit der Bahn oder dem Flieger.
Nach knapp 11 Stunden und 15 Minuten, und damit sogar 5 Minuten vor Plan, kam dann mein Fernbus unter Beifall in Berlin am ZOB beim Funkturm an. Das Klatschen hatte was vom Charterflug. Ok, ich schau mal darüber hinweg.

Mein erster Gedanke in Berlin:
„In 11 Stunden bist Du auch nach Singapur geflogen.“

Nachdem ich dann meinen Koffer wieder hatte überlegte ich kurz wie ich am besten nun zu meinem endgültigen Ziel in der Nähe des Anhalter Bahnhofes in Mitte kommen würde. Mit den Öffis hätte ich mindestens einmal umsteigen müssen. Mit großen Koffer und Handgepäck nicht so spaßig. Also schnell auf die App geschaut und um die Ecke einen Mini von DriveNow gemietet.

Kosten:

Bei Buchung des Tickets 7 Tage vor Abfahrt kostete es 33,00 Euro.
Dazu kamen dann noch die kosten für die Anfahrt von Stuttgart-Stammheim zur Messe Stuttgart mit Car2Go für rund 7 Euro (34km, 24min) und die Weiterfahrt von Berlin ZOB bis ins Hotel beim Anhalter Bahnhof in Mitte für rund 4 Euro (9km, 14min).
Alles in allem also für 44  Euro von Stuttgart nach Berlin in insgesamt 12,5 Stunden.

Fazit:

Wer mal hautnah den schlechten Zustand der Deutschen Autobahnen spüren möchte und vor allem wem es nicht auf die Zeit sondern eher auf den Preis ankommt, für den ist die Fahrt mit dem Fernbus eine wirkliche Alternative zu Bahn und Flieger. Das spiegelten auch die Mitreisenden wieder. Vom Studenten über Punk und Familie bis zur Oma waren eigentlich außer Geschäftsreisende alle Gruppen vertreten. (Wie das allerdings mit Gehbehinderten etc. wäre kann ich leider nicht sagen.)

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