Südaustralien: Adelaide und Kangaroo Island

Südaustralien ist eine faszinierende Region mit abwechslungsreicher Landschaft. Adelaide und Kangaroo Island sind eine der Höhepunkte in diesem Teil Australiens.

Wer von Osten, über Victoria, nach Südaustralien reist wird schnell merken dass sich einiges ändert. Zuerst einmal herrscht in Südaustralien die Australian Central Standard Time Zone (UTC/GMT +9:30 Stunden). Es heißt also Uhren erneut umstellen. Je mehr man sich von Melbourne entfernt, desto weniger ist dieser Landstrich besiedelt. Während in der Gegend um die Great Ocean Road noch viel Tourismus statt findet, wird die Touristische Landschaft Richtung Adelaide weniger. Ich empfand das als sehr schön endlich raus aus den touristischen Hochburgen zu kommen und unterwegs im „echten“ Australien zu reisen. In der Tat begegnet man viel weniger Campern auf der Strecke zwischen der Great Ocean Road und Adelaide als im östlicheren Teil des Kontinents. Selbst die Küsten sind viel spärlicher besiedelt als im östlichen Teil Australiens. Dennoch gibt es überlall eine wunderbare Infrastruktur für Reisende. Campingplätze, B&B oder auch Hotels gibt es nahezu überall.

„Für den erstmaligen Australien Besuch würde ich eher die Ostküste empfehlen.“
André Dietenberger, Reise Blögle

20170415_101924 Ich glaube allerdings, dass Südaustralien für Reisende die das erste Mal in Australien sind nicht die erste Wahl sein sollte. Das typische Australien, wie wir es uns so vorstellen, findet schon an der Ostküste zwischen Sydney und Cairns statt. Hier gibt es große Städte, bunte Städte, Badestrände soweit das Auge reicht bis hin zum Regenwald.
Südaustralien ist einfach in allem etwas karger. Was aber nicht heißen soll, dass die Landschaft und die Menschen hier nicht so interessant sind. Im Gegenteil. Ich empfand die Menschen im Süden herzlicher. Vielleicht auch deswegen, weil eben der Tourismus nicht diese gewaltige Rolle spielt. Die Landschaften sind spannend und verändern sich mit jedem Tag den man mehr Richtung Westen fährt.

Adelaide

Adelaide ist mit 1,32 Millionen Einwohnern (2015) die Hauptstadt Südaustraliens. Damit leben hier rund 7 Prozent der Gesamtbevölkerung Australiens. Der erste Gouverneur des Staates Südaustralien, Captain John Hindmarsh (1785–1860), nannte die Stadt 1837 nach der britischen Königin Adelaide. Adelaide (von Sachsen-Meiningen) war eine deutsche Prinzessin und ab 1830 Königin von Großbritannien und Irland sowie Königin von Hannover (1792 – 1849). Gerade der Süden Australiens wurde ab den 1830er Jahren von Englischen und Deutschen Auswanderern besiedelt.
dsc08002 Heute ist in Adelaide ein großer Teil der australischen Rüstungsindustrie zuhause. In Adelaide haben das größte australische Öl- und Gasförderunternehmen Santos und die größte australische Brauerei Coopers Brewery ihre Firmensitze.
Das Klima in Adelaide ist angenehm, aber trocken. Zwischen 7 Grad im Winter bis 28 Grad im Sommer liegen hier die durchschnittlichen Temperaturen. Allerdings ist Südaustralien und besonders Adelaide der trockenste Fleck auf dem Kontinent. Deshalb zitiert jeder Tourguide oder Reiseführer gerne folgenden Satz:

 „The dryest city in the dryest state of the dryest country of the dryest continent of the world“

Vielleicht ist das ein Grund warum viele Australier Adelaide nicht mögen. Dabei fand ich Adelaide ganz bezaubernd.
Auf meiner Reise kam ich in Adelaide gerade zu den Ostertagen an. In Australien sind ja Öffnungszeiten in den Städten anders als bei uns. Gerade in Queensland und Victoria können Läden quasi 24 Stunden, 7 Tage die Woche öffnen. Lediglich an Silvester und dem Nationalfeiertag ist fast überall dicht. In Südaustralien sind die Öffnungszeiten schon etwas mehr zurückgenommen. Vor allem am Freitag vor Ostern hat wirklich alles geschlossen. Es ist Good Friday (Karfreitag). Selbst Restaurants haben nicht alle geöffnet. An diesem Tag herrschte in ganz Adelaide eine seltsam entspannte Stimmung. Man geht zur Kirche und macht mit der ganzen Familie Picknick im Park. Hier oder im Botanischen Garten lässt es sich klasse entspannen. Zum Beispiel gibt es ein Palmenhaus im Victorianischen Stil zu besichtigen. Der Architekt Gustav Runge (1822-1900) entwarf das Glashaus und lies es von Bremen 1875 per Schiff nach Adelaide bringen wo es dann zusammengebaut und 1877 eröffnet wurde.
Palmenhaus Nicht weit davon entfernt sollte man einen Abstecher zum Nationalen Weinbauzentrum Australiens machen. Hier kann man nicht nur Weinbau studieren, sondern Besucher können hier in einer Ausstellung alles über Weinbau erfahren. Das Gebäude symbolisiert ein Weinfass und gewann diverse Architekturpreise. Im Erdgeschoss gibt es eine Weinbar. Hier kann man kleine Snacks zu sich nehmen und einen guten Tropfen Australischen Wein genießen. Es gibt aber auch die Möglichkeit ein eigenes Wein-Tasting zu machen. Man bekommt eine Karte und kann selbst aus über 200 verschiedenen Weinen auswählen. Bezahlt wird zum Schluss.
Ein toller Ausflug ist auch der Zoo. Nicht weit von der Stadtmitte entfernt kann man sich hier auch gut einen halben Tag aufhalten. Schön gestaltet ist er ziemlich kurzweilig.
Nationales Weinbauzentrum Australien Durch Adelaide fließt der Fluß Torrens. Von der Stadtmitte aus gibt es die Möglichkeit eine Schiffsrundfahrt zu machen. Sie dauert rund eine dreiviertel Stunde und man bekommt schon mal einen guten ersten Eindruck über die Stadt. Wer lieber selbst aktiv werden möchte kann sich eines der bunten Tretboote ausleihen.
Australier lieben ihren Football (Footy). Im „Adelaide Oval“ werden Sportveranstaltungen wie Football und Cricket ausgetragen. An so einem Spieltag steht Adelaide Kopf und rund um das Stadion ist mächtige Vorfreude zu spüren. Während den spielfreien Tagen ist das Stadion zu besichtigen. Wer einfach mal die Größe eines solchen Stadions von Innen sehen möchte kann das, oder auch den Besuch einer kleinen Ausstellung, kostenlos machen. Für 24$ gibt es auch eine geführte Stadion-Tour. Oder man steigt dem Adelaide Oval aufs Dach. Seit 2016 gibt es den RoofClimb. Ab 99$ geht’s in kleinen Gruppen hoch hinaus.
dsc08007-kopie Adelaide wird auch „Festival City“ genannt. Im 1973 am Torrens River erbauten Adelaide Festival Centre (AFC) finden über das gesamte Jahr hinweg hochwertige Kulturveranstaltungen statt. Das AFC ist Heimat für das Adelaide Festival of Arts, das Adelaide Symphony Orchestra, die State Opera of South Australia, das Australian Dance Theatre, die State Theatre Company of SA, das Windmill Theatre, und das Australian Ballet and Brink. Daneben finden Musicals oder Veranstaltungen wie das Adelaide Cabaret Festival im Juni, das OzAsia Festival im September und das biennial Adelaide International Guitar Festival im Juli statt.
Nicht nur für den Fall das es mal regnen sollte ist die Art Gallery of South Australia und das South Australian Museum ein echter Tipp. Beide Häuser liegen nebeneinander, haben freien Eintritt und sind jedes für sich sehr interessant anzuschauen.
20170415_142259 Das (Einkaufs-)Zentrum liegt hauptsächlich an der North Terrace, der King William Street und der Rundle Mall. Die Rundle Mall ist die Fußgängerzone Adelaides. Hier findet man alles was man so meint zu brauchen. Wer auf der Reise etwas Spezielleres sucht, sollte hier fündig werden. Falls nicht, ist die nächste Möglichkeit erst wieder im fast 3000 Kilometer entfernten Perth gegeben.
20170415_122206 Der Stadtteil Glenelg liegt direkt am Meer. Wer der Hektik der Stadt entkommen möchte, setzt sich in die einzig verbliebene Straßenbahn Adelaides und fährt vom Victorie Square in der City direkt nach Glenelg. Der Jetty, der Bootsanleger) gilt aus Attraktion.
Mit der Bahn kommt man nach Adelaide nur mit dem Güterzug, oder den Sonderzügen wie „The Ghan“, „The Indian-Pacific“ und „The Overland“.
300 Kilometer westlich von Adelaide in Port Augusta kann man sich dann mit dem Camper entscheiden weiter in den Westen zu fahren, oder von hier aus in das Rote Zentrum aufzubrechen. Von dort sind es nach Alice Springs noch staubige 1300 Kilometer oder rund 2500 Kilometer nach Perth.

Kangaroo Island

Nur rund 100 Kilometer und Anderthalb Autostunden südwestlich von Adelaide entfernt liegt Cape Jerwis. Von hier aus kommt man per Fähre in 45 Minuten nach Kangaroo Island.
Kangaroo Island wird von den Australiern auch einfach KI genannt. Sie ist die drittgrößte Insel Australiens und liegt nur 12 Kilometer vom Festland entfernt.
20170413_095403 Wenn man Südaustralien im Reiseplan für Australien hat, sollte man die Insel unbedingt mit einplanen.
Wie lang man dafür einplanen sollte? Gute Frage, nächste Frage. Ist man wie ich mit einem Camper unterwegs muss man sich diese Frage schon ganz am Anfang stellen. Eigentlich alle Vermieter erlauben es, außer einigen Ausnahmen, nicht mit ihren Campern Fähren zu benutzen. Beim Vermieter Apollo zum Beispiel muss im Voraus um eine Erlaubnis für Kangaroo Island erfragt werden und die Genehmigung ist nicht automatisch gegeben.
Die Fährgesellschaft Sealink bietet Tages- bis 6-Tagesausflugspakete an. Die Fähre und die Ausflugspakete müssen im Vorfeld (online) oder durch ein Reisebüro, etc. gebucht werden. Ich habe mich zum Beispiel für die Tagestour Kangaroo Island Experience entschieden. Mit dem Camper bin ich am Vortag zu einem Campingplatz oberhalb Cape Jerwis gefahren und habe mich dort für zwei Nächte einquartiert. Da die tour früh morgens beginnt und spät abends endet erspart einem das einiges. Gegen ein kleines Entgelt wird man vom Campingplatzbesitzer morgens an die Fähre gebracht und abends wieder abgeholt. Entspannter kann so ein Tagesausflug nicht sein. Nach der Fährüberfahrt stehen schon die Busse für die verschiedenen Touren bereit. Die Touren sind zwar auch ab Adelaide buchbar, aber man muss dann auch noch jeweils den Transfer zwischen Adelaide und Cape Jerwis dazu rechnen. Kein Vergnügen!
20170413_134752 Die Eintagestour ist anstrengend, aber im Grunde sieht man ziemlich viel von der Insel. Je nach Programm kommt man auch an den bekanntesten Ecken der Insel vorbei. So fuhr unser Bus einen Strand an, der für seine Seelöwenkolonie bekannt ist. Insgesamt hat Kangaroo Island rund 700 Seelöwen die sie im Seal Bay Conservation Park Reservat an der Südküste schützen. Obwohl an diesen Strand natürlich mehrere Busse vorbei schauen scheint es doch ziemlich gut für die Seelöwen organisiert zu sein. Zum einen sind die unterschiedlichen Bustouren so getaktet, dass man nirgends zur gleichen Zeit ist und zum anderen werden an den Strand nur kleine Gruppen mit jeweils einem Ranger geführt und streng auf einen gewissen Abstand zwischen Mensch und Tier geachtet. Die Seelöwen die ich sah machten auch einen ungestörten Eindruck und so kann es dann auch zu einem schönen Erlebnis werden.
dsc07924 Von den Seelöwen geht es weiter. Auf der Tour wird einmal ein großer Stopp zur Mittagspause eingelegt. In einem Bistro gibt es dann im Preis inbegriffen ein Buffet.
Für mich am beeindruckendsten waren die Remarkable Rocks.
dsc07961 Man fährt auf einen Spitzen Küstenstreifen zu. Zuerst sieht man nur einen Leuchtturm. Der wird aber von den meisten Touristen links liegen gelassen und man fährt noch rund 2 Kilometer die Küste hinunter und sieht schon von weitem ein riesiges Etwas direkt an der Steilküste. Und dann steht man da. Direkt vor einem riesige Steine und eine Klippe, die 75 Meter hinab ins Meer führt. Hier hat die Natur in Jahrtausenden den Granitfelsen durch Wind und Wetter zu einem fantastischen Kunstwerk geformt. Sehr beeindruckend und die Fantasie anregend ist es, wenn man hier umher geht und sich die Steine aus allen Perspektiven anschaut. Allerdings sollte man hier nur bei trockenem Wetter hin. Bei Regen ist der Granit sehr rutschig und die Gefahr die Klippen hinunter zu stürzen ist groß. Die tosenden Wellen schlagen gewaltig gegen die Klippen. Man möchte da nicht schwimmen.
dsc07963 Nicht ganz so beeindruckend, aber trotzdem toll ist der Admirals Arch. Ein großer Steinbogen den die Natur durch Erosion geformt hat. Hier sieht man auch im Wasser oder auf den kantigen Felsen oder im Gras Pelzrobben.
Während den Zeiten im Bus hat man Zeit die Landschaft zu genießen. Hier und da mal ein paar Koalas, oder auch Kängurus zu sehen.

Übrigens ist Kangaroo Island für seinen Honig berühmt. Es ist eines der ältesten Bienenschutzgebiete (seit 1881) der Welt.

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