Weimar, nicht nur die Stadt der Dichter und Denker

Im kleinen Städtchen Weimar war und ist immer etwas los. Die eigentlich beschauliche Stadt mit rund 64.000 Einwohnern wird vor allem in den Sommermonaten von einer Heerschar Touristen belagert.

Die kleine Städtchen Weimar, zwischen Jena und Erfurt  gelegen, hatte wohl schon recht früh einen Reiz auf Menschen. Die erste bekannte Weimarerin wurde 1925 gefunden. Der „Ehringsdorfer Urmensch“ wird vor rund 250.000 Jahren allerdings noch weitestgehend ohne Touristen hier gelebt haben.
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Auch danach durchlief Weimar eher eine durchschnittliche Geschichte, wie sie jede Stadt dieser Größe mehr oder weniger durchlebt hat. Erst Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts beginnt das „Goldene Zeitalter“ Weimars. Erst die Regentschaft der Herzogin Anna Amalia bereitete den Nährboden, den die Dichter und Denker in der folgenden Zeit aus der ganzen Welt erleben und beackern wollten.
Und es tummelte sich ab da an wirkliche Größen der Geschichte in Weimar herum, wie sich später herausstellen sollte. Die einzelnen Geschichten wer warum und wie in Weimar war kann man überall nachlesen und möchte ich euch hier ersparen. Weimar, das ließen vor allem die folgende Jungs nicht aus: Goethe, Schiller, Bach, Liszt, Nietzsche, Schoppenhauer, Herder, Wieland und Wagner. Um nur einige zu nennen. Kein Wunder also, dass Weimar 1999 Kulturhauptstadt Europas war.

Weimar ist aber auch die „Weimarer Republik“ was gut gedacht war, endete im Nationalsozialismus und Weimar wurde in Folge zu einem zentralen Puzzlestück während der NS-Zeit. Hier wurde u.a. die Hitlerjugend gegründet und mit dem KZ Buchenwald eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden betrieben.

Was man in Weimar anschauen sollte

Weimar hat eine Vielzahl an Museen, Parks und Gärten. Es ist also für jedes Wetter in Weimar etwas geboten und man kann sich auf Entdeckungstour begeben.

Mir gefiel vor allem der 48 Hektar große Park an der Ilm. Diesen sollte man an einem schönen Tag unbedingt als Erstes ansteuern. Von hier aus kommt man bequem zu den meisten Sehenswürdigkeiten in Weimar. Der Park selbst lädt zum Entschleunigen und zum Entdecken ein. So findet man im Park beispielsweise eine künstlich angelegte Ruine aus der Zeit der Romantik. Oder man findet Abkühlung in der durch Herzog Carl August Ende des 18. Jahrhunderts angelegte Parkhöhle. Damals zur Bierlagerung erbaut, diente sie während des zweiten Weltkrieges als Fluchtstollen und ist heute für Besucher begehbar. Etwas weiter im mittleren Teil des Parks liegt dann eines der bekanntesten Häuschen Weimars. Goethes Gartenhaus, das ihm 1776 Herzog Carl August schenkte.
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Ich war auch nicht im Goethe- und Schiller-Archiv. Für mich nicht wirklich so interessant, aber doch ist der Weg dorthin lohnenswert. Denn von dort oben wird man mit einem schönen Blick über Weimar belohnt.

Wirklich sehenswert und beeindruckend zugleich ist der Rokokosaal der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Diese einmalige Bibliothek wurde leider am 2. September 2004 bei einem Brand erheblich beschädigt. Viele Bücher wurden dabei unwiederbringlich zerstört. Doch mit einer einmaligen Rettungsaktion konnten und werden noch heute viele dieser kostbaren Schätze gerettet und sind heute in dem wiederhergestellten Rokokosaal zu sehen.
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Es lohnt sich auch ein Besuch in der gegenüber liegenden neuen Bibliothek. Sowohl von außen, wie auch von innen schön anzusehen.
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Tipp:
Täglich dürfen maximal 250 Personen den Rokokosaal der Anna Amalia Bibliothek betreten. Daher sollte man am besten schon vor der Anreise Tickets reservieren! Freitags oder samstags morgens gibts vor Ort nur mit viel Glück noch Karten für Sonntags. https://www.klassik-stiftung.de/haeufige-fragen/#haab

Wer nach so viel Trubel ein wenig nach Ruhe sucht, dem kann ich den alten Friedhof zu Herzen legen. Zum Einen ist er durch die vielen großen und alten Bäume sehr schattig und zum Anderen gibt es hier zum Beispiel auch die Fürstengruft zu sehen. Hier liegt die Fürstenfamilie, Schiller und Goethe begraben. Johann Wolfgang von Goethe wurde kur nach seinem Tod, angeblich auf eigenen Wunsch in der Fürstengruft neben Schiller beigesetzt.
Was Goethe nicht wissen konnte: 2008 wurde ein Gentest an Schillers Gebeinen durchgeführt und es stellte sich heraus, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um Schiller handelte. Die Überreste wurden danach im alten Friedhof in einem anonymen Grab beigesetzt. Schillers Sarg ist seither leer.
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Nur einen Steinwurf vom alten Friedhof entfernt steht die Bauhaus-Universität. Wer ein wenig was für Architektur übrig hat sollte hier unbedingt vorbei schauen. In Dessau und Weimar liegt die Wiege des Bauhaus und beide Städte sind zusammen seit 1996 UNESCO Welterbe. Ein tolles Beispiel dafür ist das Hauptgebäude Bauhaus-Universität von Henry-van-de-Velde.
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Aktuell ist das Bauhaus Museum leider eher eine Zumutung. Zwar mitten in der Innenstadt, aber der Raum (und es ist wirklich nur ein Raum!) ist viel zu klein um eine angemessene Werkschau des Bauhaus zu präsentieren. Deshalb befindet sich am Rande des Weimarhallenparks gerade das neue Museum in Bau. Zum 100 jährigen Jubiläum des Bauhaus soll es 2019 eröffnet werden.
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Am Kegelplatz, unweit des Stadtschlosses, steht eine Skulptur Albert Schweitzers. Im ehemaligen Wohnhaus des Märchendichters Carl August Musäus ist zudem auch die Albert-Schweitzer-Gedenk- und Begegnungsstätte. Sie zeigt eine ständige Ausstellung über das Leben und Werken Albert Schweitzers. Er war zwar nie in Weimar, aber während der DDR-Zeit gefiel den politisch Verantwortlichen das Werk Albert Schweitzers. Vor allem sein Einsatz für Friedensinitiativen. Das Denkmal vor der Tür ist das erste Albert-Schweitzer-Denkmal der Welt und wurde 1968 auf Initiative der Ost-CDU errichtet.
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An einer großen Straßenkreuzung nahe des alten Busbahnhofs steht ein ehemaliger Kiosk des Postzeitungsvertriebs der Deutschen Post der DDR, der kiosk.6. Seit 2002 dient er immer wieder als Ausstellungsfläche und Schaufenster verschiedener Galerien oder Künstlergruppen.

Schön zu wissen:

Weimar und der Ginko-Baum.
Zu Goethes Zeiten (1829) kam der Ginko aus England nach Weimar. Einer der ersten Ginko-Bäumen wurde am Weimarer Fürstenhaus, dem heutigen Hauptgebäude der Musikhochschule gepflanzt. Er ist heute der wohl meistbesuchten Baum Thüringens.
Goethe hat seiner späten Liebe Marianne von Willemer ein Gedicht über den Ginko gewidmet. Seither gilt das Ginkgoblatt aufgrund seiner Form als Sinnbild der Freundschaft.
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GINKGO BILOBA
Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut.
Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt,
Sind es zwei, die sich erlesen,
Dass man sie als eines kennt.
Solche Frage zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Dass ich Eins und doppelt bin.

Johann Wolfgang von Goethe

Heute stellt der Ginko-Baum ein lebendes Fossil dar. In Weimar sind daher Ginkoblätter bei Touristen sehr beliebt. Es gibt auch am Marktplatz ein Ginko-Museum. Hier kann man alles mögliche über den Baum erfahren und auch so einiges vom Ginko käuflich erwerben.
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Was man nicht unbedingt in Weimar anschauen muss:

  • Stadtschloss
  • Schillers Wohnhaus
  • Schiller-Museum
  • Goethe-Nationalmuseum
  • Liszt-Haus
  • Nietzsche-Archiv
  • Weimar Haus

Was vielleicht nicht unbedingt in ein fröhliches Wochenende passt, man aber trotzdem mal gesehen haben sollte ist das KZ Buchenwald. Vom Bahnhof Weimar verkehrt eine extra Bus-Linie dorthin.

Essen und so:

  • Weimarer Kaffee Rösterei, Herderplatz 16
  • Köstritzer Schwarzbierhaus, Scherfgasse 4
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Fazit:

Mir hat Weimar sehr gut gefallen, aber man merkt als Besucher irgendwie die Last der Kultur die auf Weimar liegt. Irgendwie ein schönes, interessantes, aber auch sehr anstrengendes Wochenende.
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3 Kommentare:

  1. Danke für die tollen Eindrücke. Da ich nächsten Monat selbst eine Städtereise nach Weimar mache, habe ich nach tollen Tipps gesucht.

    Dein Beitrag kommt genau richtig um erste Eindrücke zu bekommen und ein paar Ziele für meinen Kurzurlaub zu haben.

    Vielen Dank und LG
    Gesa

  2. Wir sind früher mit der Schule für mehrere Tage in Buchenwald zur Recherche gewesen (eine fächerübergreifende Aufarbeitung zum Thema II. Weltkrieg), und an einem Tag auch nach Weimar gefahren, damals hatte ich viel zu wenig Zeit, alles anzuschauen – Dein Bericht beruhigt mich etwas („was man nicht unbedingt in Weimar anschauen muss“) 😉
    Glückauf beim Weiterreisen!

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