Ausflugtipp: Der Blautopf in Blaubeuren

Die Schwäbische Alb ist immer eine Reise wert. Ganz besonders am Blautopf.

Blautopf mit Hammerschmiede

 

“Im Schwabenlande, auf der Alb, bei dem Städtlein Blaubeuren, dicht hinter dem alten Mönchskloster, sieht man nächst einer jähen Felsenwand den großen runden Kessel einer wundersamen Quelle, der Blautopf genannt. Gen Morgen sendet er ein Flüßchen aus, die Blau, welche der Donau zufällt. Dieser Teich ist einwärts wie ein tiefer Trichter, sein Wasser von Farbe ganz blau, sehr herrlich, mit Worten nicht wohl zu beschreiben; wenn man es aber schöpft, sieht es ganz hell in dem Gefäß.”
So beginnt die Erzählung “Historie der schönen Lau” aus dem Werk “Das Stuttgarter Hutzelmännlein” von Eduard Mörike.

Tja, eigentlich gibt es diesem Zitat nichts hinzuzufügen; es ist alles gesagt. Ok, ein paar Zeilen möchte ich dann doch auch noch selbst dazu verfassen. Tatsächlich liegt das Blautal knapp 17 Kilometer von Ulm entfernt am Ostrand der Schwäbischen Alb. Die Blau und ihr kleiner Nebenfluss die Aach münden nach 22 Kilometern kurz hinter Ulm in die Donau. Zwar entspringt die Aach aus dem größten Quelltopf Deutschlands, jedoch ist das eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Otter

 

Viel bekannter als der Aachquelltopf ist jedoch der Blautopf im beschaulichen Blaubeuren. Gespeist wird der Blautopf von den Regenfällen auf der Schwäbischen Alb. Da die Schwäbische Alb eines der größten Karstgebiete Deutschlands ist sammeln sich Regenfälle nicht in Flüsse und Seen, sondern versickern sofort durch das durchlässige Karstgestein in den Untergrund. Im Berg entstanden über die Jahrmillionen dadurch unterirdische Fluss- bzw. Höhlensysteme. Das Wasser braucht nur wenige Tage von der Albhochfläche bis zu seinem Austritt am Blautopf. Je nach Wetterlage schüttet so der Blauquelltopf im Schnitt rund 2.310 Liter pro Sekunde aus. Im Sommer kann es aber auch mal nur noch 250 Liter pro Sekunde werden. Nach Starkregen oder der Schneeschmelze auf der Albhochfläche kann es dafür aber auch zu Höchstwerten bis zu 32.670 Litern pro Sekunde steigen. Dabei ist die Wassertemperatur nahezu ganzjährig bei 9 Grad. Dies kommt daher, da die Temperatur in den Karsthöhlen ebenfalls durchgängig zwischen 8 und 9 Grad liegt. Das Quellwasser fließt dann als Blau nach 22 Kilometern in die Donau bei Ulm.

Woher hat der Blautopf nun seine Farbe?
Dieses faszinierende Phänomen hat schon immer die Fantasie der Menschen beflügelt.
Man erzählt sich, dass täglich ein Fass voll Tinte in den Quelltopf hineingeschüttet würde.
Der Blautopf galt lang (bis 1718) auch als bodenlos. Versuche, mit einem Bleilot die Tiefe zu ermitteln, sollen immer wieder von einer Nixe vereitelt worden sein, die das Bleigewicht stahl.

Blautopf

Tatsächlich kommt es aber durch mehrere Umstände zustande. Zum einen liegt es an der kaum vorhandenen Trübung des Quellwassers und zum anderen an dem trichterförmigen Quelltopf der nahezu alle Farbspektren der einfallenden Sonne bis auf die bläulichen Anteile regelrecht schluckt. Mit einem Durchmesser von etwa 40 Metern und einer Tiefe von fast 21 Metern fasst der Quelltopf rund 900m² Wasser. Allein die Tiefe lässt da schon tiefes Dunkelblau erklären.

Die Sage rund um die bodenlose Tiefe des Blautopfs und der Nixe übernahm der Schwäbische Lyriker Eduard Mörike in sein Werk “Das Stuttgarter Hutzelmännlein”. Dort werden mit Hilfe eines Wandergesellen als Rahmenfigur verschiedene Sagen wiedergegeben. Unter anderem eben auch die „Historie der schönen Lau„. Die Wassernixe konnte nicht mehr lachen nachdem ihr Kind im Kindsbett gestorben war und wurde deshalb von ihrem Mann, einem Wasserkönig aus dem Schwarzen Meer, in den Blautopf verbannt, bis sie dreimal gelacht hätte. Die bodenständigen Blaubeurer brachten ihr das Lachen wieder bei und befreiten sie so.
Die schöne Lau

Ein eckiger Monolith an der Albwand in Blaubeuren sieht übrigens mit etwas Fantasie aus wie eben jenes Klötzle Blei (Bleilot), das man damals zur Messung der Tiefe des Blautopf nutze. So entstand im Volksmund der Zungenbrecher:

»’s leit a Klötzle Blei glei bei Blaubeura,
glei bei Blaubeura leit a Klötzle Blei«

Seit 1804 wird die Kraft des Blautopfes für ein Hammerschmiede direkt am Quelltopf genutzt. Sie ist heute Museum und Kiosk zugleich.
Das Blauhöhlensystem hat eine derzeit erforschte Gesamtlänge von 10 Kilometern und ist damit das größte erforschte Höhlensystem der Schwäbischen Alb. Allein die Blautopfhöhle hat eine bisher vermessene Länge von 2.034 Metern. Geschätzt werden es aber wohl ungefähr 4.000 Meter sein. Sie zählt mittlerweile zum GeoPark Schwäbische Alb.
Im Blautopf und seinem Höhlensystem darf aus Sicherheitsgründen nur mit einer Sondergenehmigung getaucht werden.

Blautopfbähnle

 

Auch noch sehenswert:
  • „Blautopfbähnle“
    Fahrt durch den Klosterhof, Panoramaweg und durch das Ried
  • Altstadt mit Fachwerk und kleine Gassen
  • Kloster von 1085
    Beherbergt heute das Evangelisch-Theologischen Seminar, einem altsprachlichen Gymnasium mit kirchlichem Internat
  • Die Schwäbischen Alb gehört zu den wichtigsten altsteinzeitlichen Fundstellen der Welt und ist seit Sommer 2017 deshalb auch UNESCO Weltkulturerbe
Kloster Blaubeuren

 

Interessant zu wissen:
Dr. h.c. Matthäus Hipp, geboren 25.10.1813 in Blaubeuren, Ritter des Franz-Joseph-Ordens, 1875 Dr. h.c. der Univ. Zürich.
Dr. h.c. Matthäus Hipp Sohn eines Müllers, Uhrmacherlehre in Blaubeuren, 1832 arbeitete er als Uhrmacher in Ulm und ab 1834 in St. Gallen. Kam 1841 zurück nach Reutlingen, heiratete und machte eine Uhrmacherwerkstatt auf. Nach der zerschlagenen Badischen Revolution 1848 bewarb er sich als Direktor der Uhrmacherschule in Furtwangen im Schwarzwald. Dort wurde er nicht angenommen, da er als Demokrat galt und entschloß sich daraufhin 1852 in die Schweiz auszuwandern. Er wurde von der Schweizer Regierung zum Direktor der nationalen Telegrafenwerkstatt und zum technischen Direktor der Telegraphenverwaltung ernannt.
Obwohl sein Vertrag ausdrücklich erlaubte auch privat zu arbeiten kam es zu Konflikten als er mehr privat verdiente als durch den Staatsdienst. Hipp reagierte 1860 mit dem Rücktritt vom Schweizer Staatsdienst und gründete in Neuchâtel eine Telegrafenfabrik.
Dank seinen Erfindungen gelang es, ab 1863 die Uhrzeit telegrafisch zu übermitteln, ein elektrisches Uhrnetz zu errichten und in der Sternwarte in Neuenburg eine astronomische Uhr zu entwickeln. Er erfand zahlreiche Präzisionsinstrumente wie das Chronoskop und den Chronografen, das Gyroskop, das Mikrofon, den Wind-, Wasserstand- und Erdbebenmesser, den Feuermelder so wie den Geschwindigkeitsmesser für Lokomotiven.
Er starb 80 jährig in Zürich. Da er nie Schweizer Staatsbürger wurde, nannte man ihn liebevoll den „Schweizer Edison

Anreise

Mit dem Auto: Aus Richtung München oder Stuttgart über die A8 bis zur Ausfahrt Merklingen
Mit dem Zug: Aus Richtung München oder Stuttgart mit dem ICE bis Ulm; dort 30 min. Takt nach Blaubeuren mit dem RE.
Mit dem Fahrrad: Über den Donauradweg

2 Kommentare:

  1. Kein Wort über die beiden sehenswerten Museen? Weder über das Urmu mit den Eiszeitfunden aus den UNESCO-Welterbe-Höhlen, noch über das Badhaus der Mönche/ Heimatmuseum, das weltweit einzig erhaltene mittelalterliche Mönchsbad?
    Macht den Bericht unvollständig.

    • Hallo!
      Danke für das Feedback. Ich schau mir das Thema Eiszeit und Co noch im Sommer extra an. Von daher war jetzt der Fokus „nur“ auf den Blautopf gerichtet.
      André

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