Reise Blögle
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Die Bergischen Drei – Eine Entdeckungsreise

Und wieder einmal mehr habe ich ein mir bisher unbekanntes Stück Deutschland erschlossen. Die Bergischen Drei.

In Australien gibt es ja noch heute nicht kartierte Regionen die weitestgehend unbekannt sind. Im Kleinen geht es mir mit Teilen Deutschlands. In vielen Ecken war ich bisher noch nicht. Mit jeder Reise die ich mit dem Reise Blögle unternehme lerne ich aber wieder ein kleines Stück mehr kennen.
So ging es mir auch bei den Die Bergischen Drei. Klar wusste ich das es das gibt und wo es ungefähr zu verorten ist. Dennoch  hat mich bisher weder Job noch irgendetwas anderes in diese Gegend gebracht. Deshalb hab ich „Die Bergischen Drei“, Remscheid, Solingen und Wuppertal einmal besucht.

Das Bergische Land

„Die Bergischen Drei“ sind natürlich nur ein Teil des Bergischen Landes, aber es sind so die Zentren in denen früher und heute das Leben brodelt. Das Bergische Land ist eine Mittelgebirgsregion mit Bergen bis zu 500 Metern Höhe. Oft wird angenommen, der Name „Bergisches Land“ käme von der bergigen Gegend. Dem ist nicht so. Der Name stammt vom Geschlecht der Bergs. Dies waren einstmals Grafen und Herzöge in dieser Gegend.
Dieses Mittelgebirge ist von großen Waldflächen bestimmt. Zudem sind die Heidegebiete und die vielen Seen, teils mit Talsperren, ein optimales Naherholungsgebiet.
Gerade zum Wandern und Radfahren bietet sich die Region rund um Remscheid, Solingen und Wuppertal bestens an. So gibt es auf ehemaligen Bahntrassen allein rund 100 Kilometer Radwege quer durch diese tolle Naturlandschaft. Ich werde wohl wieder kommen müssen und genau das mal ausprobieren. Durch die Radwegführung auf ehemaligen Bahntrassen sind die Steigungen minimalst und für wirklich jeden zu meistern.
Geprägt ist die Gegend auch von den vielen, noch bestehenden, urigen Dörfern mit den klassischen Fachwerk- und Schieferhäusern. Diese Mischung zwischen Fachwerk, den Schieferfassaden, dem Satteldach und den grünen Fensterläden sind wirklich einmalig schön. Wirklich bezaubernd fand ich beispielsweise in Solingen den Teilort. Gräfrath. Der historische Stadtkern ist komplett denkmalgeschützt. Man vergisst sofort in einem Teilort einer Großstadt zu sein. Kleine, enge Pflastersteinstraßen und links und rechts diese typischen Bergischen Fachwerkhäuser die regelrecht zum Flanieren einladen. Zum verweilen und genießen gibt es im Stadtkern einige gemütliche Cafés und Restaurants. So lässt sich mal schnell ein schöner Nachmittag gestalten.

Die Bergischen Drei

Remscheid

Die drittgrößte Stadt im Bergischen Land mit rund 115.000 Einwohnern ist Remscheid. Remscheid wurde durch seine Metall- und Werkzeugindustrie im zweiten Weltkrieg nahezu komplett zerstört. Entsprechend sieht die heutige Stadt aus. Typische 50iger- und 60iger Jahre Architektur prägen das Stadtbild. So richtig warm wurde ich mit der Stadt nicht. Sie ist optimal zum übernachten. Gleich vor den Toren Remscheids ist es dann wieder schön.
In Remscheid kann man sich dennoch das ein oder andere anschauen. So zum Beispiel das Geburtshaus von Wilhelm Conrad Röntgen oder auch das Deutsche Werkzeugmuseum. Auf dem Weg nach Solingen lohnt sich ein Abstecher zum Schloss Burg (ja heißt wirklich so ) Tipp: Nicht in Burg auf die teuren Parkplätze, sondern im Tal parken und mit der Seilbahn (echt 50iger!) hinauf fahren! (Hasencleverstraße 2, 42659 Solingen)
Das Schloss Burg ist aus dem 12. Jahrhundert und war einst das Machtzentrum der Grafen von Berg. Ja genau, das waren die, die dem „Bergischen Land“ seinen Namen gaben.

Solingen

Solingen ist mit seinen 160.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt der „Bergischen Drei“ und zählt darüber hinaus zu den ältesten Industrie- und Gewerbestädten Deutschlands. Solingen wird auch die „Klingenstadt“ genannt. Damals wie heute werden in Solingen Messer und Waffen für die ganze Welt geschmiedet. So werden unter anderem noch in einigen traditionellen Stahlwarenmanufakturen Paradewaffen für Ministerien, Militärschulen und Uniformausstatter in der ganzen Welt hergestellt. In Solingen sitzt auch die deutsche Firmenzentrale von Wilkinson Sword und natürlich kommen von hier die bekannte Zwilling Messer. Kein Wunder also, dass in Solingen auch das Deutsche Klingenmuseum beheimatet ist.

Wuppertal

Mit über 300.000 Einwohnern die größte der „Bergischen Drei“. In Wuppertal wird studiert, eingekauft und gearbeitet. Unter anderem hat hier Bayer ein großes Werk. Für meinen ersten Besuch in Wuppertal habe ich mir den Wuppertaler Zoo ausgesucht.
Wer, wie ich, stressfrei den Zoo besuchen möchte, kann zum Beispiel sein Auto am Park and Ride Parkplatz Oberbarmen abstellen und mit der Schwebebahn bis zum Zoo fahren (oder heißt es tatsächlich schweben?). Mit dieser Anfahrt in den Zoo begeistert man sicherlich nicht nur die Kinder! Die Schwebebahn ist das, was wohl die meisten mit Wuppertal in Verbindung bringen. Sie wurde 1901 als „einschienige Hängebahn eingeweiht und ist seit 1997 unter Denkmalschutz. So schwebt man In acht bis zwölf Metern Höhe über Wuppertal und überquert auf dem Weg zum Zoo unter anderem auch das Bayer-Werk.

Freizeit Tipps

Wie schon erwähnt ist die Region zum Radfahren und Wandern bestens gerüstet. Unterwegs gibt es immer wieder tolle Höhepunkte wie der Müngstener Brückenpark, oder die noch bestehenden Kotten zu entdecken.
Müngstener Brückenpark: (Müngstener Brückenweg 71, 42659 Solingen)
Über ein kleines Tal zwischen Remscheid und Solingen spannt sich seit 1897 mit 107 Metern die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands. Klar ist die stählerne Brücke allein schon sehr imposant, aber seit einiger Zeit wurde unter der Brücke in diesem kleinen Tal der sogenannte Müngstener Brückenpark eingerichtet. Neben einem Biergarten gibt es eine kleine Minigolf-Anlage und viel Grün direkt an der Wupper um es sich auf einer Picknickdecke gemütlich zu machen und so einen schönen Sommertag dort zu verbringen. Nicht nur für Kinder toll ist eine Schwebefähre über die Wupper. Hier kommt man nur mit eigener Kraft auf die andere Seite des Flusses.


Balkhauser Kotten: (Balkhauser Kotten 2, 42659 Solingen)
Kotten, oder auch „Slipkoten“ nannte man die Schleiferwerkstätten entlang der Wupper. In einem Kotten arbeitete eine ganze Schar an Schleifern. Teilweise auf zwei Stockwerken wurden dort Klingen aller Art geschliffen. Ein Besuch im Schleifermuseum Balkhauser Kotten kann ich daher nur empfehlen. Hier wird einem anschaulich erklärt unter welchen Bedingungen damals die Schleifer arbeiten mussten und welchen Höllenlärm dort zu jener Zeit geherrscht haben muss. Gerade für Radfahrer und Wanderer ist der Balkhauser Kotten eine prima Rastmöglichkeit. Kleine Erfrischungen gibt es im Museumskiosk und rund um den Kotten ist eine Oase um die Wupper mit duftender Wiese und schattenspendender Bäume. Als ich den Kotten besuchte wurden dort gerade auch Hochzeitsbilder gemacht. Eben eine traumhafte Kulisse. Bei Kaffee und Kuchen kann man es dort wirklich aushalten. Lieber etwas mehr Zeit einplanen und dort ein wenig abschalten.

Genuss Tipps

  • Kottenbutter Die Kottenbutter ist eine klassische, deftige Brotzeit der Schleifer an den Kotten der Wupper. Es ist quasi ein Sandwich aus Butter bestrichenem Schwarzbrot mit geräucherter Mettwurst (der sogenannten Kottenwurst) mit Zwiebeln und Senf. Das Rezept ist also schon uralt, aber das Ergebnis schmeckt heute noch!
  • Im Restaurant „Vita Moderna“ in Leichlingen kann man Flusskrebse aus der Wupper verspeisen und tut dabei noch etwas Gutes. Gegessen werden nämlich nur die eingewanderten Signalkrebse, die mittlerweile Überhand genommen haben. Man schätzt etwa auf 100 Metern Wupperfluss rund 5000 Krebse.
  • Bergischen Kaffeetafel –Koffiedrenken mit allem dröm on dran“
    Im Bergischen wurde den Gästen zuhause schon immer alles aus der Speisekammer aufgetischt. In den 30iger Jahren des letzten Jahrhunderts kam dies vermehrt auch in den Gaststuben und Restaurants an und gilt heute als eine der typisch Bergischen Spezialitäten. Aus eigener Erfahrung muss ich aber eindringlich warnen! Wer eine Bergische Kaffeetafel bestellt sollte unbedingt Hunger mitbringen. Neben dem Kaffee aus der Dröppelmina gehören folgende Dinge dazu:
    Kaffee, Hefeblatz oder Rosinenstuten, verschiedene bergische Brotsorten (Schwarz- und Graubrot), Konfitüre, Butter, Quark, Käse, Wurst, Milchreis mit Zucker und Zimt, und natürlich Bergische Waffeln. Natürlich kann die Auswahl noch um allerlei wie z.B. Bratenaufschnitt, Rührei, Sauerkirschen, Orangensaft erweitert werden. Obligatorisch ist auf alle Fälle im Nachgang ein Korn oder ein Aufgesetzter. – Natürlich nur rein der Verdauung wegen.

Hotel Tipps

Hotel & Restaurant Villa Paulus (Schüttendelle 30, 42857 Remscheid)
Ein wunderschön renoviertes Bergisches Fachwerkhaus mit einer einmaligen Inneneinrichtung. Sowohl in den Zimmern, wie auch im restlichen Haus ist alles im Jugendstil gehalten. Nur vereinzelt wird dies mit modernsten Elementen passend ergänzt. Ich fand es zum alleine übernachten fast zu schade. Hier sollte man Station machen, wenn man ein schönes Wochenende zu Zweit verbringen möchte.


mk Hotel Remscheid (Bismarckstraße 39, 42853 Remscheid)
Zentral in der Nähe des Remscheider Hauptbahnhofes gelegen. Von außen sieht der Hotelturm eher unscheinbar aus. Die Zimmer in den oberen Stockwerken können dafür mit einem tollen Blick über Remscheid punkten. Zudem sind alle Zimmer mit diversen Sportgeräten (nicht nur zur Deko) bestückt. Ich hatte zum Beispiel eine Sprossenwand, die eher an nicht so schöne Sportstunden in der Grundschule erinnerten J Das Hoteleigene Restaurant hat einen netten Außenbereich und kann mit eigenem Bier, dem „Remscheider Bräu“ aufwarten. Mir hat das Duuster geschmeckt. Zwar etwas dunkler, aber trotzdem prickelnd erfrischend.

Herzlichen Dank geht an die Tourismusregion „Die Bergischen Drei“,
die mich auf diese Entdeckungsreise eingeladen haben.

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