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Sehenswert: Flensburg, das Tor zum Norden

Am Ende der rund 35 km langen Flensburger Förde, unmittelbar an der deutsch-dänischen Grenze, liegt die marine Stadt Flensburg.

Anfahrt nach Flensburg

Bahn:
Bequem mit dem ICE bis Hamburg bzw. Kiel und von dort weiter mit dem Regional-Express bis Flensburg.
Auto:
Mit dem Auto Über die Autobahnen bis Hamburg und von dort die Autobahn A 7 bis Flensburg.

Historisches Flensburg

Das fleckchen Erde liegt einfach perfekt am Ende einer Förde der Ostsee. Kein Wunder also, dass man rund um Flensburg immer wieder nicht nur auf Wikinger Spuren gestoßen ist. Jedoch war gerade für die Wikinger der Umschlagplatz Haithabu als Verbindung zwischen Ost- und Nordsee weitaus wichtiger als Flensburg.

Erst mit der Seefahrt und dem dazugehörigen Handel im Mittelalter gewinnt die Stadt Flensburg an Bedeutung. Über 400 Jahre lang wurde Flensburg von der dänischen Krone regiert. In dieser Zeit blühte der Handel mit Spirituosen, wie dem Rum.
Im zweiten Weltkrieg blieb Flensburg weitgehend unzerstört. Da in den Aufbaujahren und danach jedoch Geld fehlte, wurde nicht all zu viel abgerissen und neu gebaut. Ähnlich wie im Osten der Republik überließ man so viele Gebäude einfach sich selbst. Heute ein Glück. In den letzten Jahrzehnten wurde so das Zentrum immer weiter renoviert und hergerichtet. Entsprechend groß ist der Bestand an historischer Bausubstanz aus allen Epochen. 

Die Deutsch Dänische Geschichte rund um Flensburg prägte seit jeher das Zusammenleben der Menschen im Grenzbereich. So gibt es eine dänische Minderheit diesseits und eine deutsche Minderheit jenseits der Grenze. So gibt es für die jeweilige Minderheit entsprechende Kindergärten und Schulen. Nach Jahrzehnten nationaler Gegensätze lebt man heute in einem harmonischen und fruchtbaren Miteinander.

Sehenswürdigkeiten in Flensburg

Wahrscheinlich das bekannteste in Flensburg ist nicht wirklich eine Sehenswürdigkeit, sondern meist eher ein Ärgernis: Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sitzt seit 70 Jahren in Flensburg und verwaltet unter anderem das Punkteregister.

Dem ein oder anderen wird auch das Flensburger Pilsener in der Bügelflasche (mit dem Plöpp) bekannt sein. Die Brauerei Emil Petersen, in der das herb-erfrischende Flensburger Pilsener gebraut wird, bietet nach Voranmeldung geführte Besichtigungen an.
Wenn wir gerade schon beim Bier sind kann man noch die Hansens Brauerei erwähnen. Sie liegt direkt am Hafen und ist Deutschlands nördlichste Gasthausbrauerei. 

Wie schon erwähnt wurde Flensburg von großen Feuern oder Kriegszerstörungen verschont. Bei einem Spaziergang durch die Stadt kommt man so wunderschöne Häuser und Kirchen entdecken. Besonders schön ist der Oluf-Samson-Gang. Durch die Nähe der Gasse zum Hafen entstanden hier im 16. Jahrhundert zahlreiche Kaufmannshöfe. Viele Gebäude wurden vom Kaufmann Oluf Samson errichtet. Hier wohnten sozial schwächere Menschen neben Fischer und Handwerker. Nach dem ersten Weltkrieg entwickelte sich der Oluf-Samson-Gang zudem zur „Sündenmeile“ mit zahlreichen Bordellen. Ende der 1970er Jahre war dort damit schluss. Heute zählt die Gasse zu einer am besten erhaltenen historischen Straßen der Region und ist mit seinen pittoresken Fischerhäuschen schön anzusehen.

Als Seefahrer und Handelsstadt hat Flensburg auch eine Reihe von Kirchen. Sehenswert ist die Heiliggeistkirche. Hier werden seit 1588 die Gottesdienste auf dänisch gehalten.

Das Wahrzeichen der Stadt Flensburg ist das.Nordertor. Mit dem auffälligen Treppengiebel ist es seit 1595 der Durchlass durch den nördlichen Teil der Stadtbefestigung und hat allen Abriss Absichten getrotzt. Heute beherbergt es die Ausstellung „Phänomen Hugo Eckener“, ein Teil der Phänomenta. Der Flensburger Hugo Eckener war Zeppelin-Luftfahrtpionier und seinerzeit international eine der bekanntesten Persönlichkeiten. Zudem kann man sich im Nordertor auch Trauen lassen.

In ein Haus eingebettet ist das Kompagnietor an der Schiffbrücke. Fälschlicherweise wird es als Stadttor bezeichnet. Es war jedoch nie ein Teil der Stadtmauer. Das Kompagnietor wurde zwischen 1602 und 1604 aus 84.100 Ziegelsteinen erbaut und diente als Versammlungsstätte für die Flensburger Fischer (Schifferlag) und der der Flensburger Seeleute Gemeinschaft. Über dem Torbogen sind zwei Wappen zu sehen. Einmal das Flensburger Stadtwappen und daneben das dänische Königswappen. Kein Wunder also, dass hier heute der Sitz für das Europäische Zentrum für Minderheitenfragen (European Centre for Minority Issues) ist.

Oberhalb des Zentrums liegt der Museumsberg Flensburg. Hier findet man das Naturwissenschaftliches Museum. Hier bekommt man einen Einblick über die Kunst- und Kulturgeschichte der Region Schleswig vom 13. Jahrhundert bis heute. Nicht nur für ein Besuch bei schlechtem Wetter zu empfehlen. 

Wer noch höher hinauf möchte, der kann zur Duburg Höhe (Marienberg) spazieren. Hier stand vor langer, langer Zeit einmal eine Höhenburg. Von hier oben hat man einen tollen Blick auf das Zentrum Flensburgs.

Am Rand der Flensburger Altstadt steht die Bergmühle (dänisch Bjergmølle). Die Denkmalgeschützte Holländermühle von 1792 ist eine der letzten Mühlen der Stadt.

Neben all den erwähnten Sehenswürdigkeiten gibt es noch viele andere Sachen zu entdecken. Es gibt viele kleine Läden und tolle Restaurants zu entdecken. Immer wieder stößt man auf die deutsch-dänische Geschichte. Und ich meine nicht nur das leckere Dänische Softeis.

Maritimes Flensburg

Natürlich muss man bei einem Besuch in Flensburg auch den Hafen und das Element Wasser erleben. Direkt an der Schiffbrücke steht das Flensburger Schifffahrtsmuseum. Hier erfährt man vieles aus der spannenden Zeit als Flensburg von der Seefahrt lebte. Wem das zu theoretisch ist, der geht nur über die Straße und kann die Seefahrtsgeschichte praktisch im Museumshafen Flensburg erleben. Angeschlossen ist auch eine Museumswerft

In den letzten Jahren hat man in Flensburg den Hafen als Aufenthaltsort für Menschen entdeckt und ihn herausgeputzt. Besonders die Hafenspitze ist heute ein beliebter Treffpunkt um etwas zu trinken, ein Fischbrötchen zu essen oder einfach ein wenig auf die Flensburger Förde hinaus zu schauen. 

Generell gilt die Flensburger Förde als eines der schönsten Wassersportreviere Europas. Am 150 Kilometer langen deutsch-dänischen Fördeufer bilden unzählige Badestrände und Yachthäfen einen wunderschönen Natur- und Erlebnisraum. Bekannt sind Veranstaltungen wie die traditionelle “Rumregatta” der historischen Berufssegler, das “Flensburger Klassiker-Festival” mit alten Yachten, der traditionellen Apfelfahrt oder auch dem Seglerfest “Flensburg-Nautics”.


Zu Empfehlen ist unbedingt eine Förderundfahrt mit dem Schiff. Man kommt am Hafen Flensburg vorbei, sieht die Marineschule Mürwik und der relativ neue Stadtteil Sonwik mit seinen Wasserhäusern, die wie an einer Perlenschnur aufgereiht dort stehen und mit ihren verschiedenen Farben dem Viertel einen schönen Farbtupfer geben.

Rum Stadt Flensburg

Und dann gibts da noch eine Sache, für die Flensburg weit über die Stadtgrenzen hinweg bekannt ist. Den Rum. Flensburg gehörte ja lange Zeit zum Dänischen Königreich. Im 18. Jahrhundert entstand ein reger Handel mit der dänischen Kolonie Dänisch-Westindien in der Karibik (Kleine Antillen, Jungferninseln). Der sogenannte Westindienhandel. Durch die Erhebung eines Mengenzolls auf die Einfuhr von Rum nach Flensburg. Ab 1885 brachten Seefahrer den eigens entwickelten „German Flavoured Rum“ mit. Er wurde (und wird bis heute noch) in Jamaika destilliert und hat einen Alkoholgehalt von 70 bis 80% vol. Der sogenannte “German Flavoured Rum”, oder auch „Pure Rum“ ist ein Konzentrat, das bis zu 40 mal mehr Geschmacksstoffe (Ester) aufweist als ein herkömmlich destillierter Rum.

Um diesen hoch aromatischen Rum trinkbar zu machen, wurden das weiche Flensburger Wasser und Neutralalkohol dazugegeben. Diese spezielle Veredelung wird „Flensburger Rum Verschnitt“ genannt und bescherte Flensburg fast ein Jahrhundert lang einen echten Rum-Boom. Zu den Hochzeiten existierten in Flensburg rund  300 Brennereien. Durch Abtretung Nordschleswigs nach Dänemark 1920 brach ein großer Kundenstamm weg. Der 2. Weltkrieg brachte das Geschäft durch den Entzug der Rum-Kontingente dann völlig zum Erliegen. In den 80er und 90er Jahren verschwanden viele weitere Flensburger Rumhäuser in der Phase der Übernahme durch große Spirituosenkonzerne.

Heute ist zum Beispiel noch die Johannsen Rum & Johannsens Hökerei das Älteste noch bestehende Flensburger Rumhaus (seit 1878). In der Marienstraße Nr. 6, in einem alten Kaufmannsspeicher, gibt es echten Rum und traditionellen Flensburger Rum-Verschnitt zum verkosten und kaufen. Dazu werden auch Führungen angeboten.

Auch Braasch Rum & Rum Manufaktur Museum ist ein Besuch wert. Hier lassen sich viele der köstlichkeiten ebenso probieren und erwerben. Dazu gibt es eine kleine Ausstellung rund um den Rum. Für weitere Einblicke in die Geschichte der Rumstadt Flensburg lohnt sich ein Besuch der Rum-Abteilung im Flensburger Schifffahrtsmuseum.

Ausflüge rund um Flensburg

Wer in Flensburg zu Besuch ist sollte auch ein wenig das Umland entdecken. Mit dem Auto, oder noch besser mit dem Schiff, lohnt sich ein Besuch der Dänischen Stadt Sønderborg. Hier lässt es sich gut einen Tag aushalten und ein wenig Dänemark schnuppern. 

Ein wenig in die Geschichte der Wikinger kann man zum Beispiel im Wikingerdorf Haithabu eintauchen. Neben einem Museum, gibt es eine original nachgebaute Wikingersiedlung erleben.

Wenn man mich fragt, dann darf natürlich auch die kleine, aber feine Hafenstadt Eckernförde in der Eckernförder Bucht nicht vergessen. Neben einem tollen Badestrand lädt auch das Städtchen zu einem Bummel ein.

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