Suzhou – Nicht nur die Stadt der Gärten

Wer die Volksrepublik China besucht kommt an einem Besuch der Stadt Suzhou fast nicht vorbei.

Garten des bescheidenen Beamten

Schaut man in die Reiseprospekte für China Reisen, liest man neben Peking und Shanghai immer wieder auch von der Stadt Suzhou als beliebtes Reiseziel. Kein Wunder, denn Suzhou (苏州) ist mit seiner über 2500-jährigen Geschichte vor allem für seine Gärten und Kanäle bekannt. Deshalb wird Suzhou auch oft als „Stadt der Gärten“ oder „Venedig des Ostens“ beworben. Marco Polo soll die Stadt im Jahr 1276 selbst auch besucht und natürlich als großartig empfunden haben.

Suzhou liegt zentral im Yangtze Fluss Delta im Norden Chinas und ist mit dem Auto gerade mal 1,5 Stunden von Shanghai entfernt. Auf meiner Reise bin ich leider mit dem Bus unterwegs gewesen. Bei durchschnittlichem Verkehr in Shanghai braucht man für diese Strecke so rund 3 Stunden. Wer privat von Shanghai nach Suzhou reist, sollte die Zug nehmen. Suzhou liegt an der Schnellfahrstrecke Peking–Shanghai des Hochgeschwindigkeitszugs CRH. Mit ihm bewältigt man diese Strecke in geschmeidigen 30 Minuten. Seit April 2012 kommt noch die U-Bahn Suzhou hinzu. Dadurch ist Suzhou für die meisten China-Reisen ein optimaler Programmpunkt.
CRH

Suzhou gilt als eine der schönsten Städte Chinas. Allerdings gilt diese Aussage eigentlich nur für relativ kleine Teile der Stadt. Suzhou ist nämlich aufgrund der guten Transportverbindungen eine der Boom-Städte des modernen China. In der Region Suzhou leben heute insgesamt rund 15 Millionen Einwohner. Allein in der Stadt selbst wohnen rund 7 Millionen Menschen. Die meisten Stadtteile sind daher Industriezentren und auch mehr oder weniger moderne Wohnquartiere. So ist Deutschland beispielsweise in Suzhou mit der Robert BOSCH GmbH und der MTU Friedrichshafen gut vertreten. Der größte Arbeitgeber der Stadt ist aber der Welt Konzern Samsung. Was mir als erstes in Suzhou aufgefallen ist waren die unzähligen Motorroller auf den Straßen. Nicht nur dass man mit ihnen am besten durch die verstopften Straßen manövrieren kann, sondern weil sie nahezu alle leise daher gerollt kommen. Seit 1999 fahren in Suzhou nämlich alle Zweiräder elektrisch. Wirklich fürs Ohr entspannt, aber fürs Leben erstmal lebensgefährlich bis man sich auf die stille Gefahr eingestellt hat.
Suzhou

Im Himmel gibt es das Paradies, und auf Erden gibt es Suzhou und Hangzhou.
Chinesisches Sprichwort

Sehenswürdigkeiten:

So, nun aber endlich zu den eigentlichen Gründen warum man Suzhou besuchen sollte.
Suzhou ist sehr wasserreich. Das verrät auch schon der Stadtname. Das Wort Suzhou bedeutet auf Chinesisch so viel wie “Wasser im Überfluss”. Unweit vom Yangtze Fluss wurde dieser schon früh von den hier lebenden Menschen genutzt. Die Altstadt wurde rechteckig mit vielen schmalen Kanälen und kleinen Brücken direkt am großen Kaiserkanal angelegt. Dieser fließt von Hangzhou vorbei an Suzhou bis ins 1800 Kilometer entfernte Peking und ist damit die längste künstliche Wasserstraße der Welt. Vor allem in Europa wurde Suzhou daher auch als “Venedig des Ostens” bekannt.

Altstadtviertel Pingjiang

Wo Wasser ist, ist das Grün nicht weit. Gerne lässt sich Suzhou auch als „Stadt der Gärten“ feiern. Tatsächlich wurden während den vergangenen Jahrhunderten immer wieder von Kaufleuten oder reichen Beamten die berühmten Gärten angelegt. Früher waren diese Gärten privat und heute kann sie jeder besuchen, Allerdings ist der eigentliche Grund, ein Ort der Zerstreuung zu sein, bei manch einem Garten durch die Touristenschaare heute ins Abseits geraten. Trotzdem ziehen die Chinesischen Gärten tausende von Besuchern täglich an. Auf meiner Reise haben wir einige Gärten besucht und ich habe für mich folgendes Resümee daraus gezogen: Einen chinesischen Garten ausführlich besichtigen ist sehr spannend und interessant. Wer allerdings nicht mit dem grünen Daumen unterwegs ist oder nicht im Gartenbau arbeitet ist damit dann aber auch bedient.
Der Aufbau dieser Gärten ist im Großen und Ganzen immer ähnlich. Grundsätzlich müssen alle fünf Elemente, also Wasser, Feuer, Erde, Metall und Holz, in einem Chinesischen Garten vorkommen. Konkret bedeutet dies, dass solch ein Garten mindestens einen künstlichen See, künstlich angelegte Erhebungen und Felsen, sowie eine Zickzack-Brücke (um böse Geister abzuhängen) haben muss. Für die Felsen werden üblicherweise Taihu-Steine aus dem gleichnamigen Tai-See genutzt. Diese sind aus porösem Kalkgestein, das für mehrere Jahre im Wasser eines Sees gelagert wird und dadurch vom Seewasser teilweise aufgelöst wird. Generell ist beim Aufbau eines Chinesischen Gartens wichtig das Prinzipien des Feng-Shui zu beachten. Die meisten Chinesischen Gärten sind so aufgebaut, dass es im Norden hohe, schützende „Berge“, im Osten sanfte, nach Süden abfallende „Hügel“ und im Westen einen schützenden „Fluss“ gibt. That´s it. (Ohje, dafür werde ich jetzt wohl gesteinigt.)

Tipp:
In Suzhou empfehle ich den Garten des bescheidenen Beamten (Zhuozheng Yuan 拙政园) zu besichtigen. Er ist groß und es macht wirklich Spaß ihn zu erkunden.
Garten des bescheidenen Beamten

Ebenso verhallt es sich mit den touristischen Höhepunkten der Wasserstädte. Auch davon gibt es einige zu besichtigen. Tatsächlich ist die erste davon auch interessant und jede weitere wiederholt das gesehene mehr oder weniger wieder. Beidseits des Hauptkanals floriert das Geschäft mit Touristen. Hier bekommt man jeglichen Touri-Kram, den man sich so vorstellen kann. An einer „Wünsche-Wand“ kann man sich auf extra dafür erwerbbaren Karten Wünsche aufschreiben und aufhängen. Aber vor allem ist Xinmin Qiao Kai am Wochenende ein El Dorado für für frisch vermählte. Hier kommen die Paare hin um sich im klassischem Gewand romantisch fürs Fotoalbum ablichten zu lassen. Das alles ist irgendwie so absurd auf diesem kleinen Raum, dass es für mich schon wieder lustig war zuzuschauen. Mir hat vor allem das berühmten Altstadtviertel Pingjiang gefallen. Entlang des Kanals verlaufen auch dort zahlreiche Läden und Restaurants. Ich war in der glücklichen Lage nur 5 Gehminuten im Scholars Hotel PingJiangFu Suzhou zu wohnen und konnte so am Abend die Altstadt genießen. Zu dieser Zeit waren mehr Einheimische als Touristen auf den Straßen entlang zum schlendern unterwegs. Dort gab es die tollsten Läden, vom Katzenschmuse-Kaffee bis zur Mini Karaoke Bar die echt klasse war gab es dort viel zu entdecken.

Tipp:
Um Suzhou als Wasserstadt richtig zu erleben gefiel mir Xinmin Qiao Kai (新民桥码头) am besten.
Xinmin Qiao Kai

Suzhou ist seit dem 14. Jahrhundert auch bekannt für seine Seidenproduktion. Im damaligen Kaiserreichs China galt Suzhou als die „Seidenhauptstadt“. Nahezu an jeder Ecke gibt es auch Seidenprodukte käuflich zu erwerben. Neben Tüchern, Gewändern sind natürlich Tischdecken und Bettwaren aus Seide bei den Besuchern sehr beliebt. Bei vielen organisierten Reisen die Suzhou auf dem Programm haben steht auch ein Besuch einer Seidenfabrik.
Auch ich durfte auf meiner Reise an solch einer Besichtigung teilnehmen. Ich besuchte die erste Seidenfabrik Suzhous (Sūzhōu dì yī sīchóu chǎng 苏州第一丝绸厂). Ein skurriler Ausflug den ich euch kurz erzählen möchte.
Wir wurden mit einem Bus zu einem alten Fabrikgelände gefahren. Hier wurde wohl früher im großen Stil Seide produziert. Heutzutage liegt die große Seidenfabrik in einem Industriegelände außerhalb Suzhous. Das Museum ist nur auf Voranmeldung zu besichtigen. Dann wird eine Mannschaft aus der Produktion abgeordnet den Museumsbetrieb zu fahren. Man bekommt zuerst eine theoretische Einführung die der Reiseleiter (und nicht das Museumspersonal) macht. Dann bekommt man alle Produktionsstufen vom Füttern der Raupe, über das kochen der lebenden Seidenraupen im Kokon, das Spinnen des Seidenfadens bis hin zum anschließenden Weben eines Seidenstoffes alles von den Mitarbeitern an alten Maschinen vorgeführt. Zu guter Letzt wurde man in einen riesig großen Verkaufsraum geführt. Hier standen schon weitere Mitarbeiter bereit die Seidenprodukte den Besuchern zu verkaufen. Außer der Besuchergruppe waren hier noch zwei Familien die sich hierhin verirrt hatten. Vor allem die Seidenbettdecken in Europäischer Norm und schon passend für den Flieger im Vakuumbeutel verpackt, wurden aktiv von der Reiseleitung beworben. Zusätzlich zu den günstigen Preisen würden die Reiseleiter großzügiger Weise noch auf ihre Provision verzichten um einen noch besseren Preis für uns Besucher anbieten zu können. Na, wer da nicht zuschlägt J Wie gesagt, sehr skurril das Ganze.
Seidenfabrik

Fun-Fact:
Suzhou unterhält eine Städtepartnerschaft mit Konstanz. Als Zeichen der Freundschaft wurde in der Nähe des Bahnhofs Konstanz 2007 eine Bushaltestelle im traditionell-chinesischen Pavillon-Stil errichtet.
Bushaltestelle Konstanz

Weitere Orte, die man sich in Suzhou anschauen kann:

  • Suzhou Zoo
  • Markt bei der Shantangjie (山塘街)
  • Suzhou Museum
  • Restaurant Lenbach (Phoenix-Mall Suzhou), Eines der Deutschen Restaurants
  • Mudu (木渎) Wasserstadt am Taihu-See (太湖)
  • Garten der Familie Yan (Yanjia Huayuan 严家花园) – bei der Mudu Wasserstadt
  • Garten des Meisters der Netze (Wangshi Yuan 网师园)
Markt bei der Shantangjie

 Zu dieser Recherchereise wurde ich von China Tours eingeladen. 

Ein Kommentar:

  1. Hallo,
    ich kann in Suzhou noch den Lion Grove Garden empfehlen. Dieser gehört zum UNESCO Weltkulturerbe und ist ein kleiner Garten. Am Besten ganz früh morgens besichtigen, da es sonst zu voll ist. Gibt dort auch ein Teehaus .
    Lg Thomas

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