Reise Blögle
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Übers Wochenende nach Heidelberg am Neckar

Heidelberg – Eine der wenigen Städte in Deutschland, die wohl weltweit bekannt ist. Das Reise Blögle war mal da und hat sich umgeschaut.

Anreise nach Heidelberg

Mit der Bahn:
Heidelberg ist an das IC / EC Netz angeschlossen. Ein paar direkte ICE Verbindungen gibt es zudem.
Mit dem Auto:
A5 / A656 (Darmstadt-Karlsruhe/Basel) bis Ausfahrt Autobahnkreuz Heidelberg oder Heidelberg Schwetzingen. 

Ich hab‘ mein Herz in Heidelberg verloren

Naja, ganz so schlimm wie der Titel des gleichnamigen Spielfilm Klassikers von 1925 verheißen mag ist es mir bei meinem Besuch in Heidelberg nicht ergangen. Aber ja, Heidelberg ist wirklich einen Besuch wert. Die Lage am Neckar, das über Heidelberg thronende Schloss und die Weinberge entlang des Neckartals haben es schon Dichter und Denker wie Goethe, Hölderlin, Scheffel und auch Marc Twain angetan. Bis heute ist Heidelberg einer der absoluten To Do’s auf der Liste internationaler Besucher auf ihrer Deutschland- bzw. Europa Tour. Kein Wunder, dass die eigentliche beschauliche Altstadt Heidelberg oftmals vor Besuchern aus allen Nähten platzt. 

Ich sah Heidelberg an einem völlig klaren Morgen, der durch eine angenehme Luft zugleich kühl und erquicklich war. Die Stadt in ihrer Lage und mit ihrer ganzen Umgebung hat, man darf sagen, etwas Ideales.

Johann Wolfgang von Goethe, Tagebücher, 1797

Stadtrundgang Heidelberg

Bummeln und Kunst in Heidelberg

Heidelberg ist wunderbar zu Fuß zu erkunden. Die Altstadt ist überschaubar, jedoch geht es schnell links und rechts des Neckars in die Höhe. Wer sich für Heidelberg ein Wochenende Zeit nimmt hat gegenüber so manch einem internationalen Besucher den Vorteil Heidelberg nicht in 2 Stunden abhaken zu müssen. Die Altstadt besteht aus vielen kleinen und größeren Gassen und im Altstadtkern gibts mehrere Einkaufsstraßen. Neben einer Stadtbesichtigung lässt sich in Heidelberg auch gut einkaufen und natürlich auch gut Essen und Trinken. Für Brunnenliebhaber gibt es den ein oder anderen tollen Brunnen zu entdecken und wer moderne Streetart liebt sollte mit offenen Augen durch die Stadt ziehen.

Studentenstadt Heidelberg

Seit 1386 gibt es die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und ist damit die älteste Universität Deutschlands. Wer nicht gerade in den Semesterferien Heidelberg besucht wird schnell merken, dass Heidelberg ein ausgeprägtes Studentenleben hat. Viele Kneipen und Bars und generell eine Stadt mit jungem Publikum. Eine Sehenswürdigkeit ist der Studentenkarzer von 1778. Er liegt auf der Rückseite der alten Universität, in der Augustinergasse. Als die Universität noch eine eigene Gerichtsbarkeit hatte, wurden hier bis 1914 kleinere Kavaliersdelikte und andere Verstöße gegen die öffentliche Ordnung bestraft. In diesem Haus haben sich die Studenten während ihres Aufenthaltes mal mehr, mal weniger künstlerisch verewigt. Quasi ein Haus mit studentischem Graffiti im ganzen Haus. Spannend die kleinen Sprüche und Zeichnungen zu bestaunen. 

Nur einen Steinwurf davon entfernt liegt die Universitätsbibliothek (1901). Art-Deco Fans finden hier ein wunderbares Treppenhaus. Dies ist frei zugänglich und hält noch ein weiteres Highlight für den Besucher parat. Den Codex Manesse. Es ist ein Faksimile der weltberühmten mittelalterlichen Liedersammlung. Sie liegt in einer Vitrine im Art-Deco-Treppenhaus.

Altstadt Heidelberg

Der Marktplatz war und ist auch in Heidelberg zentraler Dreh- und Angelpunkt. Hier findet Samstags der Wochenmarkt statt. Drum herum gibt es Gaststätten und Cafés für das leibliche Wohl. Sehenswert ist auch die Heiliggeistkirche. Sie wurde von 1398 bis 1515 errichtet und besteht aus Sandstein aus dem Neckartal. Ursprünglich Katholisch, war sie zwischen 1706 und 1936 durch eine sogenannte Scheidemauer in zwei Teile geteilt. Einen katholischen und einen evangelischen Teil. Heute ist sie ein evangelisches Gotteshaus, Wer die insgesamt 208 Stufen nicht scheut, der kann den gotischen Kirchturm besteigen und einen wundervollen Blick über Heidelberg und das Neckartal aus 38 Metern Höhe genießen.

Gegenüber der Heiliggeistkirche steht seit der Spätrenaissance (1592) das Haus “Zum Ritter”. Es ist damit das älteste erhaltene Haus in Heidelberg und ein absoluter Anziehungspunkt vieler Heidelberg Besucher. Einst als Wohnhaus von einer Tuchhändlerfamilie erbaut war es schon vor über 300 Jahren eine Gaststätte und ist seit der jüngeren Neuzeit zu einem Hotel umgebaut worden. 

Neckar bei Heidelberg

Geht man vom Marktplatz Richtung Neckar hinunter, kommt man auf die weltberühmte Alte Brücke. Eigentlich heißt sie korrekt Karl-Theodor-Brücke und ist von 1947. Die ursprüngliche Alte Brücke aus dem 18. Jahrhundert wurde zu Kriegsende 1945 gesprengt. An dieser Stelle gab es aber urkundlich bezeugt schon mindestens ab 1284 eine Brücke aus Holz.

Links des Brückenkopfs auf der Altsatdt Seite sitzt der Brückenaffe. Die Bronzeplastik wurde 1979 von Professor Gernot Rumpf gestaltet und geht auf Erwähnungen eines Brückenaffen in Heidelberg seit dem 15. Jahrhundert zurück. Auf der Neuenheimer Seite steht unterhalb der Nepomuk-Terrasse ein Liebesstein aus Sandstein. Hier können Liebesschlösser angebracht werden.

Und dann gibts da noch das kleine, unscheinbare Eck in der Altstadt nahe des Neckarufers. Hier stand bis zu den Novemberpogrome am 10. November 1938 die Alte Synagoge Heidelberg. Danach Brache, später Parkplatz ist hier seit 2001 eine Gedenkstätte daraus geworden. Weiße Marmorsteine deuten den ehemaligen Grundriss der zerstörten Synagoge an. 

Noch mehr Sehenswürdigkeiten in Heidelberg

Das aber auch Heidelberg mit Geschichte und historischen Gebäuden nicht immer den besten Weg geht kann man am Alten Hallenbad von 1906 sehen. Ein Stadtbad im besten Jugendstil erbaut, 1981 geschlossen, stand ewig leer und beherbergte diverse Einzelhändler bis es dann 2017 als Dauerausstellung der umstrittenen Körperwelten Schau des Gunther von Hagen. 

Noch unbekannter ist vermutlich das Karlstor. Es markiert eigentlich das östliche Ende der Heidelberger Altstadt, geht heute aber im Verkehr unter. Der Triumphbogen zu Ehren des Kurfürsten Karl Theodor wurde zwischen 1775 und 1781 erbaut.

Schloss Heidelberg

Es gibt vermutlich wenige internationale Deutschlandbesucher, die das Schloss Heidelberg nicht kennen, oder gar besucht haben. Es liegt wohl gleichauf mit dem Schloss Neuschwanstein und liegt auf einer der typischen Europa-Reisen Route internationaler Gäste. Dementsprechend voll kann es rund um das Heidelberger Schloss werden.

Von der Altstadt geht es entweder zu Fuß, oder bequemer mit der Bergbahn zum Heidelberger Schloss hinauf. Vom Kornmarkt geht es in 2 Minuten nur eine Station zum Schloss Heidelberg hinauf. Wer mag kann noch weiter hinauf fahren und entweder an der Station Molkenkur aussteigen und von dort wandern, oder umsteigen in die alte Bergbahn und auf den 549,8 Meter hohen Königstuhl fahren. Mit 1,5 km ist die Heidelberger Bergbahn übrigens die längste Bergbahn in Deutschland.

Das Heidelberger Schloss ist eine Schlossruine. Es wurde im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1689-1693) zerstört und danach teilweise wieder instand gesetzt. Allerdings wurde das Heidelberger Schloss schon ein paar Jahre später (1764) durch einen Blitzschlag erneut zerstört und danach aufgegeben. Die Schlossruine diente in der Folge als Steinbruch für Baumaterial. Unter anderem für das neue Schwetzinger Schloss. Die imposante Ruine des Heidelberger Schlosses gilt als Inbegriff deutscher Romantik. Eine Millionen Menschen besuchen pro Jahr durchschnittlich das Heidelberger Schloss.

Gerade in den Sommermonaten ist natürlich rund um das Schloss Heidelberg entsprechend viel los. Trotzdem lohnt ein Besuch immer. Allein die Aussicht auf Heidelberg und den Neckar ist wunderschön. Und wenn gerade mal nicht so viel los ist lohnt sich auch der Besuch des Heidelberger Schlosses von innen. So kann man im sogenannten Fassbau neben dem Königssaal ein Riesenfass mit einem Fassungsvermögen von 220.000 Litern bestaunen. Ähnlich große Fässer standen an dieser Stelle schon ab dem 16. Jahrhundert für den Zehntwein. 

Im Heidelberger Schloss gibt es auch noch das Deutsches Apothekenmuseum zu entdecken. Auch das Elisabethentor des Heidelberger Schlosses ist für viele Besucher ein beliebtes Fotomotiv .

Höhepunkt ist die 3 mal im Jahr stattfindende Schlossbeleuchtung und die Schlossfestspiele.

Typisch Heidelberg

  • Heidelberger Kurfürstenkugel (Konditorei Gundel)
    Sicher nichts für die schlanke Linie, aber sehr lecker ist die Nugatcrémkugel, die von Biskuit und Marzipan ummantelt ist und zu guter letzt mit Schokolade umhüllt wird.
  • Heidelberger Studentenkuß
    Ebenfalls ein Gebäck aus Nugat, das von der ältesten Heidelberger Schokoladenmanufaktur (Chocolaterie Knösel) hergestellt wird.
  • Janssen Kaffee
    Seit 1933 wird hier im Familienbetrieb hochwertiger Kaffee geröstet. Wer gerne Kaffee genießt sollte hier mal vorbei gehen.

Spazieren und Wandern um Heidelberg

Heidelberg zu Fuß erkunden ist wie oben schon beschrieben wirklich einfach. Wer noch etwas mehr von Heidelberg sehen möchte, der sollte über die Alte Brücke in den Stadtteil Neuenheim spazieren. Zum einen ist hier generell etwas ruhiger und zum anderen gibt es auf dieser Neckarseite die Möglichkeit am Neckarufer ins Gras zu liegen und einfach mal zu relaxen. Oder aber man begibt sich zum Beispiel über den Schlangenweg den 440 Meter hohen Heiligenberg hinauf.

Klar, man könnte ihn auch bequem mit dem Auto erzwingen, aber viel schöner ist eine kleine Wanderung entlang des berühmten Philosophenweg. Entlang des Südhanges hat man eine fantastische Sicht auf den Neckar, das Heidelberger Schloss und die Altstadt. Auf dem Weg gibt es einen Kiosk, sowie einen kleinen Biergarten. Zudem ein wunderschön angelegten Terrassengarten, das sogenannte Philosophengärtchen. Dort gedeihen Zitronenbäumchen, Bambus, Palmen und Pinien und laden zum Verweilen und die Aussicht genießen ein. 

Wer weiter den Heiligenberg hinauf wandern möchte kann neben immer wieder tollen Aussichten auf das Neckartal auch in die Geschichte eintauchen. Nach dem Philosophenweg trifft man zuerst auf ein sogenanntes Heidenloch. Von wann es stammt ist schwer zu sagen. Überliefert wurden solche Heidenlöcher in der Gegend ab etwa 1548. Dieses wurde 1936 erforscht. Es ist ein 55 Meter tiefer Schacht mit einem Durchmesser von drei bis vier Metern.

Etwas weiter den Heiligenberg hinauf, stößt man unweigerlich auf ein Relikt der unrühmlich neueren Geschichte. In den Berg wurde 1934-1935 eine Thingstätte erbaut. Sie ist ist ein Beispiel für nationalsozialistische Architektur. Sie bot 20.000 Menschen Platz. Sie kann heute frei zugänglich besichtigt werden.

Nur ein wenig weiter stößt man dann auf überreste keltischer, römischer und mittelalterlicher Zeit. So zum Beispiel auf Mauerreste einer Vorgeschichtlichen Siedlung um 5500–5100 v. Chr. sowie auf der aus dem 9. Jahrhundert erbauten Klosterruine St. Michael. Das Kloster wurde im 16. Jahrhundert aufgegeben.

Das gibt es auch noch in Heidelberg

  • Friedrich Ebert-Gedenkstätte
    Die Gedenkstätte erinnert an den 1871 dort geborenen ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik.
  • Mahnmal an die Deportation nach Gurs
    Mindestens 6.540 jüdische Bürgerinnen und Bürger aus Baden wurden am 22. Oktober 1940 mit Zügen nach Frankreich deportiert und im Lager Gurs interniert. Am ehemaligen Gleis 1 2014 eingeweiht
  • Völkerkundemuseum
  • Deutsches Verpackungs Museum
  • Kurpfälzisches Museum
  • Neckar Personenschifffahrt
  • Rundfahrten, Burgenfahrten, Genussfahrten und Feuerwerksfahrten

Ferienstraßen rund um Heidelberg

Heidelberg liegt übrigens an vier Deutschen Ferienstraßen:

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