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Ausflugsziel: Erlebnispfad Geislinger Steige

Wandern auf dem Erlebnispfad entlang der kurvenreichen Geislinger Steige.

Anfahrt

Klar kann man man auch mit dem Auto anreisen, aber zu einer Wanderung auf einem Erlebnispfad gehört eigentlich auch schon die passende Anreise dazu.

Mit der Bahn
Bis Ulm oder Stuttgart mit dem ICE. Von Ulm oder Stuttgart jeweils weiter mit der Regionalbahn bis zum Bahnhof Geislingen/Steige

Wer von Stuttgart mit der Bahn anreist, wird schon bei der Bahnfahrt durch das Filstal auf die bevorstehende Wanderung eingestimmt. Zuerst führt die Fahrt etwas am Neckar entlang, bevor es dann der Fils entlang weiter geht. Vorbei an Esslingen, Göppingen, Süssen und Kuchen bis nach Geislingen hinauf. 
Wer von Ulm her kommt fährt ab Amstetten die Geislinger Steige hinab und kann die Bahnstrecke aus der Zugperspektive sehen an der nachher entlang gewandert wird. 

Mit dem Auto
Von Ulm oder Stuttgart jeweils über die Autobahn A8 bis Ausfahrt Mühlhausen, dann weiter auf der Bundesstraße B466/B10 bis Geislingen an der Steige

Der Erlebnispfad Geislinger Steige

Distanz | ca 13 km
Steigungen | 350 Höhenmeter
Dauer | rund 4,5 Stunden

Der Erlebnispfad Geislinger Steige bietet sich optimal als Tagesausflug von Ulm oder Stuttgart an. Die Wanderung ist leicht und bietet einen tollen Tag mit viel Natur, viel Ausblick und vielen tollen Fotomotiven nicht nur für Bahnfreunde.

Der Weg ist gut ausgeschildert und mit einner bergauf fahrenden Dampflock gut zu sehen. Gestartet wird direkt am Bahnhof Geislingen/Steige. Hier, am Bahnhofsvorplatz (Busbahnhof), steht die Kopie eines Denkmals zu Ehren des Erbauers der Geislinger Steige, Oberbaurat Michael Knoll. Zuerst wird die Bahnstrecke über den Fußgängersteg überquert. An der Bergseite des Bahnhofs fällt die, mittlerweile nicht mehr ganz frische, Kunstinstallation auf. Sie stammt vermutlich aus den 1980er Jahren, als auf der Strecke die ersten ICEs fuhren.

Der Erlebnispfad Geislinger Steige führt erstmal etwas steil hinauf, verläuft aber auf einem schattigen Weg. Erstes Ziel ist der Ödenturm. Der 33 Meter hohe Turm ist in der Regel begehbar und bietet eine tolle Aussicht. Ein paar Gehminuten weiter bietet sich schon eine erste Rastmöglichkeit an. Der Aussichtspunkt Lindele bietet Schatten und eine schöne Rundbank um den Baum. Auch von hier aus gibt es wieder tolle Blicke ins Tal hinab. 

Vom Lindele geht es hinauf zu einem der Höhepunkte der Wanderung. Schon von weitem sieht man immer mal wieder die Burgruine Helfenstein. Sie war ab etwa 1100 die Stammburg der Helfensteiner. Heute ist die Burgruine ein toller Platz für Wanderer. Die Burgruine ist frei zugänglich und bietet einiges zu entdecken. Vor allem natürlich auch hier wieder eine wunderschöne Aussicht in das Rohrachtal und nach Geislingen. Eine kleine Stärkung verspricht hier oben die Burgschenke. 

Tipp: Von der Burgruine aus lassen sich tolle Bilder von den sich herauf schlängelnden Zügen entlang der engen Kurven machen.

Der weitere Weg verläuft immer nah an der Abbruchkante zum Tal. Immer wieder hört man die unterhalb dem Erlebnispfad vorbeifahrenden Züge.
Ein weiterer toller Aussichtspunkt, bzw. Instagrammable, ist der Galgenfelsen. Man muss schon aufmerksam den Erlebnispfad gehen um auch diese Aussichtspunkte zu finden. Umso mehr wird man dann mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt.

Unweit vom Galgenfelsen liegt etwas versteckt im Dornröschenschlaf das Michael Knoll-Denkmal. Der Zugang ist abenteuerlich und sollte nur mit gutem Schuhwerk und nicht bei Nässe begangen werden. Da es heute in einem Naturschutzgebiet liegt wurde ein Ausbau des Weges untersagt. Nur ein kleiner Trampelpfad führt vom Erlebnispfad hinab bis an die Gleise. Das Denkmal wurde dem Württembergischen Oberbaurat Michael Knoll zu Ehren an “seiner” Geislinger Steige errichtet. Heute ist das Denkmal mit einer Brunnenanlage in die Jahre gekommen und ist eher als “Lost Place” zu bezeichnen.

Nachdem man dann vielleicht ein oder zwei Züge direkt neben sich vorbei rattern erlebt hat, muss man wieder auf dem selben Trampelpfad nach oben. Dort angekommen geht es weiter über den Erlebnispfad zur nächsten spektakulären Aussicht, dem  Mühltalfelsen. Hier gibt es wieder eine Möglichkeit gemütlich Rast zu machen und die Aussicht zu genießen.

Es ist die letzte Möglichkeit, denn danach geht es bei der Ziegelhütte wieder retour. Hier gibt es noch einmal eine Möglichkeit in einem kleinen Biergarten einzukehren bevor man über das Rohrachtal zurück nach Geislingen wandert.
Bevor es allerdings ins Rohrachtal geht muss man leider etwas abenteuerlich die vielbefahrene B10 überqueren. Hat man das geschafft geht es an zwei Mühlen vorbei und mitten durch ein Naturschutzgebiet.

Bis zur Altstadt Geislingens ist ein Naturlehrpfad angelegt. Dann führt der Erlebnispfad durch schmale Gassen in die Altstadt. Vorbei an der spätgotischen Pfeilerbasilika (ev. Stadtkirche), dem alten Schubart Schulhaus und dem Museum im “Alten Bau”.

Von dort aus geht es am besten direkt zum Biergarten im Stadtpark. Wer sich hier ausgiebig vom Erlebnispfad erholt und sich gestärkt hat kann sich entweder wieder direkt zum Ausgangspunkt, dem Bahnhof Geislingen, begeben, oder noch einen Abstecher zum City Outlet Geislingen machen. Auf einem Teil des WMF Geländes gibt es neben dem WMF Fabrikverkauf in der Fischhalle auch andere Hersteller, die ihre Waren hier direkt anbieten.

Geschichte der Geislinger Steige

Die Schwäbische Alb stellte die Bahnbauingenieure im 19.Jahrhundert vor teils größere Probleme als so manches Hochgebirge. Als leicht gekippte Mittelgebirgstafel steigt das Gelände von Nordwesten am Albtrauf steil an, um später äußerst langsam Richtung Donau wieder abzusinken. Um dieses Hindernis zu überwinden hätte ein über 20 Kilometer langes Tunnel gegraben werden müssen. Zur damaligen Zeit nahezu unmöglich. So entschied man sich die Bahn über eine sogenannte Steigungsstrecke zu führen. Als passende Strecke nahm man sich die Strecke, die schon als römische Handelsroute über die Schwäbische Alb genutzt wurde. 

1947 wurde mit dem Bau der Strecke begonnen und mit über 3000 Arbeitern innerhalb nur drei Jahren realisiert. Heute undenkbar. 1850 wurde die 6 Kilometer lange Strecke, bestehend aus sehr kleinen und engen Kurven, eingeweiht. Damit war der schwierigste Teil der Hauptbahn des Landes Württemberg von Stuttgart-Bad Cannstatt über die Geislinger Steige nach Ulm und von dort weiter nach Friedrichshafen vollbracht.
Die Kurvenradien gehen bis auf 278 Meter herunter. Der Streckenabschnitt ist somit nach den Standards für Gebirgsbahnen trassiert. Zwischen Geislingen und Amstetten steigt die Strecke dabei mit bis zu 22,5 ‰ an. Auf dieser Strecke überwindet die Bahn einen Höhenunterschied von 112 Metern. Die Geislinger Steige, oder auch nur “Die Steige”, gilt als erste Gebirgsquerung in Kontinentaleuropa und als ingenieurtechnische Meisterleistung und war und ist die steilste Normalspurstrecke Deutschlands, bzw auch Europas.

Güterzüge befahren die Strecke mit maximal 60 km/h. Bei schweren Gütertransporten sind bis heute noch Schubloks im Einsatz. Im Fern- und Regionalverkehr beträgt die Höchstgeschwindigkeit auf der Geislinger Steige 70 km/h. Damit ist das die kleinste, planmäßig gefahrene Streckengeschwindigkeit im Deutschen Fernverkehr Netz.

In Zukunft soll der Fernverkehr über die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm führen. Dann soll die Geislinger Steige mit 250 km/h um- bzw. unterfahren werden. Der Güterverkehr wird vermutlich größtenteils weiter auf der altehrwürdigen Geislinger Steige verkehren. Die geplante Steigung von bis zu 35 ‰ ist nur für leichte Güterzüge geeignet. Diese gibt es bisher aber in der Realität so gut wie nicht.
Geplant ist die Inbetriebnahme der Neubaustrecke Wendlingen – Ulm zum Fahrplanwechsel im Dezember 2022. Dann geht es für rund 3,7 Milliarden Euro ganze 15 Minuten schneller (als heute) von Stuttgart nach Ulm. 

Fun Fact

Der Weltbekannte Hersteller von Haushalts-, Gastronomie- und Hotelleriewaren WMF hat seinen Firmensitz in Geislingen. Sein Ursprung hat das Unternehmen dank eines findigen Müllers, der damals während der Bauphase der Geislinger Steige die Werkzeuge der Bauarbeiter instand hielt. Er witterte mit Metallwaren ein profitables Geschäft gründete 1853 die Württembergische Metallwarenfabrik.

Lese Tipp

+ Mein guter Reiseblogger Kollege Deutschlandjäger war auch schon bei Geislingen unterwegs. Seine Tour könnt ihr hier nachlesen.
+ Bei outdooractive gibts den Bahnerlebnispfad Geislinger Steige ausführlich als Route.

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2 Kommentare

Kathleen Marr 23. Mai 2021 at 10:56

Vielen Dank für diese tolle Inspiration. Ich bin die Steige schon oft mit dem Zug gefahren, aber dort noch nicht gewandert. Das muss ich unbedingt mal nachholen.

Liebe Grüße
Kathleen

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André 23. Mai 2021 at 11:16

So gings mir auch lange. Lohnt sich wirklich.

Grüßle André

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